Full text: Magazin der Gesetzgebung, besonders in den königl. preußischen Staaten (Bd. 2 (1782))

Kommentar über Beccar. Werk. 
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Alle diese von den Kaisern entweder geduldete, oder 
ihnen unbekannte Sekten, konnten sich einander nicht 
verfolgen und verdammen, weil sie alle unter der roͤmi¬ 
schen Obrigkeit standen. Streiten konnten sie mit ein¬ 
ander so viel als sie wollten. Wenn die Obrigkeiten sie 
verfolgten, so beriefen sie sich sammtlich auf das Recht 
der Natur, so sagten sie oͤffentlich: - lasset uns Gott 
in Ruhe und Friede verehren und anbeten; raubt 
uns die Freyheit nicht, die ihr den Juden zugeste= 
het. Die itzigen Sekten koͤnnen ihren Verfolgern eben 
das sagen. Sie köͤnnen den Völkern, welche den Ju¬ 
den Privilegien gegeben haben, sagen: Behandelt uns 
nur so, wie ihr die Kinder Jakobs behandelt. 
Erlaubet uns, daß wir Gott, wie sie, nach un¬ 
serm besten Gewissen anrufen. Ihr duldet ja die 
Feinde Christi. Duldet uns doch auch, uns, die 
wir Christum anbeten, und die wir von euch nur 
in Kleinigkeiten und in theologischen Subtilitaͤten 
abweichen. Raubt euch doch nicht selbst getreue 
Unterthanen. Es liegt ja euch selbst viel daran 
daß wir in den Manufakturen, bei eurer Marine, 
an eurem Ackerbau arbeiten. Aber das kann euch 
wohl gleichguͤltig seyn, daß wir andere Glaubens¬ 
artikel haben als ihr. 
Ihr habt unsere Aerme 
und Hände, aber gewiß nicht unsern Katechis¬ 
mus nöthig. 
Faktionen sind im Grunde betrachtet sehr gleich¬ 
gültige Dinge. Es ist sehr gewöͤhnlich, und in gewis¬ 
sem Sinne nothwendig, daß eine verfolgte und unter¬ 
drückte Sekte in eine Faktion ausartet. Die Unterdrück¬ 
ten verbinden und muntern sich einander auf. Sie be¬ 
wei= 
Vorlage: 
Max-Planck-Institut für 
DFG 
tsgeschichte 
europäische Rech
	        
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