Full text: Magazin der Gesetzgebung, besonders in den königl. preußischen Staaten (Bd. 2 (1782))

III. Ueber die Strafen gegen die Ketzer. 
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hielten die Seelen für Ausflüsse der Gottheit, glaubten, 
daß die Dreieinigkeit nicht drei selbststehende Wesen 
enthielte. 
Maximus, der halb Heide halb Christ war, fühl¬ 
te sogleich diese ungeheure Verbrechen in ihrer ganzen 
Stärke. Die heiligen Bischöfe bewirkten bald, daß 
man den Priscillian und seine Anhänger erst auf die Fol¬ 
ter brachte, ehe man sie tödtete. Sie waren bey diesem 
schrecklichen Schauspiele gegenwärtig, damit alles nach 
den besten Regeln der Ordnung zugehn möchte, und 
kehrten zurüͤck, lobten und preiseten Gott, und setzten 
den Maximus, den Vertheidiger des Glaubens, unter 
die Heiligen. Weil er aber vom Theodosius entthront, 
und vor den Fuͤssen seines Ueberwinders ermordet ward; 
so ward er nicht kanonisirt. 
Martin, Bischof von Tours, ein rechtschaffener 
Mann, bewarb sich um die Liebe des Priscillians. Die 
Bischofe klagten ihn ebenfalls als einen Ketzer an, und 
er begab sich nach Tours, um in Trier nicht auf die Tor¬ 
tur gebracht zu werden. 
Priscillian ward zwar gehangen; er hatte indessen 
die Beruhigung davon, daß ihn seine Sekte als einen 
Märtyrer verehrte. Man feierte seinen Todestag, und 
man würde ihn noch feiern, wenn es noch Priscilliani¬ 
sten gäbe. 
Die ganze Kirche erzitterte bey diesem Beyspiele, 
Allein, sie folgte bald dieser Grausamkeit nach, ja sie 
übertraf sie noch. Man hatte die Priscillianisten durchs 
Schwerdt, durch den Strang, und durch Steine ge¬ 
tödtet. 
A5 
Vorlage: 
Max-Planck-Institut für 
DFC 
europäische Rechtsgeschichte 
S
	        
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