Full text: Magazin der Gesetzgebung, besonders in den königl. preußischen Staaten (Bd. 2 (1782))

Kommentar über Beccar. Wer= | | 
machen, wachsamer geworden wären. Gesetze, die 
hinreichend gewesen sind, unsere Väter zu regieren, 
müssen auch noch hinreichen die Kinder zu regieren, in¬ 
dem die Laster und Verbrechen, so lange sie noch neu 
sind, eine gewisse Furchtsamkeit behalten. 
Wenn sich die Gesetze, nachdem die Verbrechen im¬ 
mer kuͤhner und unternehmender werden, mit einer neuen 
Strenge wafnen, so muͤssen wir mit allen unsern Mar¬ 
tern doch endlich einen Stillstand machen, weil wir keine 
neuen erfinden koͤnnen. Wenn wir das Rad anstatt des 
Galgens gebrauchen, so wird dieses bald nicht mehr Wir¬ 
kung thun. Die Menschen fangen an allem zu trotzen, 
was schrecklich ist. 
In Japan straft man fast alle Verbrechen mit dem 
Tode, und doch melden uns die Reisebeschreibungen, daß 
man den Kindern in Japan mit Gelindigkeit begegnen 
müsse, weil sie sich gegen die Strafen widerspaͤnstig er¬ 
weisen. Warum bedenket man denn nicht, daß man 
fast immer von der haͤuslichen Regierung auf die buͤrger¬ 
liche schließen köͤnne? und warum sucht man nicht lie¬ 
ber die Verbrechen zu verhüten, als sie zu bestrafen? 
Unsere größte Laster fangen in der Jugend an zu 
keimen, und unsere kuͤnftige Auffuͤhrung haͤngt gar sehr 
von unsern Ammen ab. Ein vortreflicher französischer 
Moralist sagt: den Müͤttern dient es zum Zeitvertreib, 
wenn ihr Kind einen Hund oder eine Katze schlägt. Ja 
mancher Vater ist ein solcher Thor, daß er es als ein 
gutes Anzeichen einer kriegerischen Seele betrachtet, wenn 
er sieht, daß sein Sohn einem Bauer oder einem Be¬ 
dien= 
Vorlage: 
Max-Planck-Institut für 
DFG 
europäische Rechtsgeschicl
	        
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