Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1849 (1849))

612 Vergleichung der engl. u. französ. Jury. 
den Zwölfmännern ein absolut oder relativ unfähiger Ge= 
schworner sich befand 26), Cassation gegen das Urtheil 
eingelegt werden, also durch einen Umweg erzielt werden, 
was durch motivirte Recusation geradezu erreicht wäre. 
Allein dies reicht lange nicht aus. Auf der andern Seite kann 
aber freilich nicht verkannt werden, daß das Prinzip des 
englischen Rechts, dem Angeklagten keine Richter aufzu= 
dringen, zu denen er einmal kein Vertrauen haben kann, 
mit Einrichtungen zusammenhängt, die sich durch kein Ge= 
setz einführen lassen, sondern im Volk sich ausgebildet 
haben müssen, um im Volksleben gedeihen zu können. 
Daher erscheint die französische Jury überall als eine ver= 
unglückte Copie der englischen, und jetzt haben wir in 
Deutschland die Aufgabe, wieder Copieen von dieser Copie 
zu machen, und können nur froh seyn, wenn wir die 
ärgsten Mißgriffe der älteren und neueren französischen Ge= 
setze bis zu dem allerneuesten Gesetz vom J. 1848 glücklich 
vermeiden! 
(Der Beschluß im ersten Stück des folg. Jahrg.) 
26) Zu den letzteren gehören solche, welche in der nämlichen 
Sache als Beamte der gerichtlichen Polizei, Zeuge, Dolmet¬ 
scher, geschworner Kunstverständiger der Partei aufgetreten 
sind — bei Strafe der Nichtigkeit, sagt Art. 383. Eben 
so Art. 381: Bei Strafe der Nichtigkeit kann keiner das 
Amt eines Geschwornen bekleiden, wenn er nicht 30 volle 
Jahre zählt, und der politischen und bürgerlichen Rechte nicht 
theilhaftig ist. 
Vorlage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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