Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1840 (1840))

Ueber die Gränz | 
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des Pferdekaufs, die öffentliche Meinung sich aus¬ 
nahmsweise dahin fixirt hat, daß selbst diejenigen Betrü= 
gereien, welche entweder gar nicht, oder doch nur mit 
der allergenauesten Sachkenntniß entdeckt werden können, 
für straflos gelten sollen **): wie denn z. B. sehr häufig 
der Fall vorkommt, daß alte Pferde durch Einbrennen 
Gitschen) jener schwärzlich braunen Marken (der Kunten) 
auf den Schneidezähnen, wonach sich bekanntlich die Jahre 
des Thieres bestimmen lassen, für jünger ausgegeben, und 
diese falschen Kunten so täuschend nachgemacht werden, 
daß es beinah unmöglich wird, dieselben von den natür¬ 
lichen zu unterscheiden, ohne daß es jedoch Jemandem ein= 
fällt eine desfallsige Bestrafung des Betrugs zu verlangen; 
und man kann daher wohl sagen, daß bei all dergleichen 
Verträgen, namentlich aber bei dem Pferdekauf die allge¬ 
meine Meinung gleichsam von der rechtlichen Fiktion aus= 
geht, daß jeder Contrahent den höchst möglichen Grad 
von Erfahrung und Sachkenntniß besitzt, und sonach es 
wieder nur sich selbst zuschreiben muß, wenn er in einem 
einzelnen Falle von diesen seinen besonderen Kenntnissen rc. 
keinen Gebrauch macht 1). 
Abgesehen übrigens von diesen Ausnahmsfällen, muß 
auch bei den in Verträgen vorkommenden Betrügereien 
118) Der Verfasser des Birman. Strafgesetzb. Th. II. S. 74. 
glaubt natürlich auch über diese, als Faktum jedoch von ihm 
selbst zugegebene, Ansicht sich lustig machen zu dürfen. 
119) Umgekehrt kommen aber auch solche Verträge vor, wobei 
nach allgemeiner Volksansicht das unbedingteste Vertrauen vor¬ 
ausgesetzt wird, und wo dann jeder (selbst der plumpste) Be¬ 
trug schon nach der ersten von uns aufgestellten Regel bestraft 
werden muß. Als ein Beispiel der Art habe ich bereits oben die 
Geschäfte mit Juwelieren und Goldarbeitern angeführt; ein 
anderes Beispiel liefern die so häufig vorkommenden Betrüge¬ 
reien der Lottocollecteurs, welche, nachdem sie den Gewinn 
eines Looses wissen, von dessen Eigenthümer für den mög¬ 
lichen Fall eines Gewinnes sich eine ungesetzliche Zahl von Pro¬ 
centen versprechen lassen. S. Meister, Praktische Bemerkun¬ 
gen aus dem Criminal= u. Civilrechte. Bd. I. S. 197 — 207. 
e. 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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