Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1840 (1840))

für das Königreich der Niederlande. 
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Ausstellung verderbliche Einrichtungen sind, weil sie den 
Rest des Ehrgefühls im Sträfling zerstören und eine ewige 
Infamie begründen, deren Brandmal jede Rückkehr auf 
den Weg zum Guten abschneidet. Die Schaffotstrafen 
und die Ehrloserklärung, die der vorliegende Entwurf bei¬ 
behalten hat, sind aber eben so verderblich als die Brand¬ 
markung. Der Gesetzgeber darf gar nicht erwarten, daß 
diese Strafen auf eine zweckmäßige Weise wirksam sind; 
sie können auf einzelne Verurtheilte, die nicht ganz ver¬ 
dorben sind, zwar sehr empfindlich, aber nicht anregend 
zur Besserung wirken; sie werden diejenigen, die durch 
Verirrungen oder unglückliches Zusammentreffen von Um¬ 
ständen zu Verbrechen kamen, auf eine ungeheure Weise 
erschüttern und alles sittliche Gefühl ersticken; auf eine 
große Mehrzahl roher, verdorbener Verbrecher wirken 
diese Strafen gar nicht, oder nur so, daß sie dieselben noch 
rettungslos verderben. Jene Ceremonieen, die damit ver¬ 
bunden sind, werden auch, da sie nichts weiter als Förm¬ 
lichkeiten sind, auf das Volk keinen Eindruck machen und 
keine Abschreckung bewirken. Da diese Folgen für die Ehre 
ipso jure mit der Zwangsarbeit und Zuchthausstrafe ver¬ 
bunden sind, so ist auch dem Ermessen des Richters keine 
Gewalt gegeben, in einzelnen Fällen sie nachzulassen*2). 
Auch die im Entwurfe beibehaltene Strafe der Verban¬ 
nung, (welchen Verbrechen sie gedroht werden soll, ist 
noch nicht ersichtlich, da nur der allgemeine Theil des Ent¬ 
wurfs vorliegt,) verdient keine Billigung. Wir wieder¬ 
holen die gegen diese Strafart schon bei Gelegenheit der 
Prüfung des Entwurfs von 1827 3) erhobenen Einwen= 
12) Wir beziehen uns noch auf die im vorigen Hefte des Archivs 
enthaltenen Bemerkungen über die Nothwendigkeit, nicht abso¬ 
lut an gewisse Strafen, die das Gesetz droht, entehrende Fol¬ 
gen zu knüpfen: Archiv 1839. S. 564--574. 
13) Archiv des Criminalrechts X. Bd. S. 121—124. 
o 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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