Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1841 (1841))

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Die Todesstrafe 
Gallen am 23. Novbr. 1838 bei Gelegenheit der Be= 
rathung des neuen Gesetzes über die Strafarten 3). 
Da 
an dieser Versammlung wenig Juristen Theil nahmen, so 
ist es wichtig zu bemerken, wie unter einfachen juristisch 
nicht gebildeten Männern eine so große Theilnahme für 
die Aufhebung der Todesstrafe sich aussprechen konnte. 
Der Gesetzesentwurf hatte die Todesstrafe nur mehr dem 
vollbrachten Morde gedroht; ein Mitglied (und zwar ein 
sehr tüchtiger Jurist), Regierungsrath Näff, trug auf 
völlige Abschaffung dieser Strafart an. Die Berathung 
war lebhaft; die Gründe der Gegner der Todesstrafe 
(unter denen viele der einflußreichsten Männer und viele 
Nichtjuristen waren) bezogen sich auf die Möglichkeit siche= 
rer Aufbewahrung und Besserung auch der größten Ver= 
brecher in Strafanstalten, auf den allgemeinen Cultur= 
zustand, welcher schwere Verbrechen allmählig verschwin= 
den mache, auf den immer wiederkehrenden Ruf nach 
Begnadigung, wenn auf Tod erkannt werde, auf die Er= 
haltung einer gewissen Rohheit im Volke durch blutige 
Schauspiele; die Vertheidiger der Todesstrafe führten die 
bekannten Gründe für dieselbe an; es war nahe, daß der 
Antrag auf Abschaffung angenommen worden wäre; allein 
die letzte Rede, welche mit Feuer die abschreckende Kraft 
der Todesstrafe vertheidigte, änderte die Stimmung. Bei 
der Abstimmung erklärten sich 53 für Aufhebung, 65 Mit¬ 
glieder für Beibehaltung der Todesstrafe. 
Wirft man einen prüfenden Blick auf das Ergebniß 
dieser Verhandlungen, so ist 1) die Thatsache wichtig, daß 
in keiner gesetzgebenden Versammlung die Aufhebung der 
Todesstrafe zum Beschlusse erhoben wurde, daß aber 
2) in den meisten eine ehrenwerthe Minorität gegen die 
20) Wir theilen die Notizen nach der Zeitung: Der Erzähler, 
1838. Nr. 95. mit. 
Votage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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