Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1841 (1841))

Beurtheilung 
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richtet. Bei den Strafgefängnissen will der Verf. diejenigen, 
welche für Sträflinge bestimmt sind, die auf kürzere Zeit als 
zwei Jahre verurtheilt sind, von den übrigen trennen; in den 
ersten soll absolute Jsolirung Tag und Nacht eingeführt wer= 
den, jedoch mit verhältnißmäßiger Abkürzung der Strafzeiten. 
In Bezug auf die zur langjährigen Freiheitsstrafe Verurtheilten 
muß nach dem Verf. (p. 44.) die Aufhebung der Galeerenstrafe 
und die Verbesserung der maisons centrales zugleich geschehen; 
trefflich wird nachgewiesen, wie in Frankreich die Galeerenstrafe 
allmählig für weniger hart als die Reclusion betrachtet wird, die 
Strafe selbst in keiner Weise bessernd wirkt. Für die auf Lebenszeit 
Verurtheilten müßten gewisse maisons centrales ausschließend 
bestimmt seyn (p. 55.); für Verurtheilte zu langjährigen Frei¬ 
heitsstrafen würde auf gleiche Weise dies Besserungssystem, ge= 
baut auf Isolirung zur Nachtzeit, eingeführt; da die Umgestal¬ 
tung in der letzten Richtung sehr schwierig und kostspielig ist, 
so will sie der Verf nicht auf einmal einführen. — Die Schrift 
des Hrn. Lucas enthält auch eine gute Widerlegung vieler 
Behauptungen der oben angezeigten Schrift des Hrn. de la 
Rochefoucauld Liancourt. Vorzüglich empfehlen wir 
auch unseren Lesern die oben unter Nr. 17. angeführte Schrift. 
Sie enthält die Realisirung eines Wunsches, den jeder Freund 
der Verbesserung der Strafanstalten lebhaft hegen muß. Die 
Commission des prisons von Lyon (eine aus höchst ehren¬ 
werthen Männern bestehende Vereinigung) unternahm es, 
durch Zusammenwirken und vorzüglich durch die Thätigkeit ei¬ 
ner religiösen Corporation die Aufsicht und den moralisch reli¬ 
giösen Einfluß auf die Sträflinge zu bewirken, durch welchen 
allein ein Pönitentiarsystem wirksam werden kann. Ein treff¬ 
lich bearbeiteter Commissionsbericht durchgeht prüfend alle ein¬ 
zelnen Punkte, auf welche es bei der Gefängnißzucht ankommt. 
Der innere Dienst in den Anstalten ist, und zwar in den Ge¬ 
fängnissen für Männer, den frères de St. Joseph, in den 
weiblichen Anstalten den soeurs anvertraut. Siegreich wider¬ 
legt der rapport p. 18. die Einwendungen, welche man oft 
gegen jeden Einfluß religiöser Corporationen angeben hört. 
Nur der Hochmuth oder die religiöse Indifferenz kann diesen 
Einfluß fürchten; der entschiedene Vortheil liegt darin, daß 
da, wo solche Corporationen in Krankenhäusern, Irren¬ 
anstalten und Gefängnissen wirken, die Aufsicht von Personen 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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