Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1845 (1845))

für die Preuß. Staaten. 
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vorhanden sey, wenn der Handelnde die, die Strafbarkeit 
der Handlung bedingenden Thatumstände, z. B. daß er 
Gift darreiche, nicht kannte, und die Zurechnung des 
Vorsatzes kommt hierbei gar nicht in Betracht. Eben 
so kann von dem zu einer qualificirten Verbrechensspe¬ 
cies nothwendigen Vorsatze nicht die Rede seyn, wenn 
der Handelnde von dem die That erschwerenden Um¬ 
stande, z. B. daß er Sohn des Ermordeten sey, keine 
Kenntniß hatte. Hieraus dürfte zur Genüge hervor¬ 
gehen, daß der Schluß des §. 52 und §. 82. nicht an 
ihrem Orte sind und ihre Plätze wechseln müssen. 
Was aber nun den Satz selbst betrifft, daß durch 
einen Irrthum in der Person des Verletzten (auch 
von Sachen als Gegenständen des Verbrechers könnte 
hier eben so gut die Rede seyn, wie z. B. im Braun= 
schweigischen Gesetzb. §. 28.) die Zurechnung des vor= 
sätzlich verübten Verbrechens nicht ausgeschlossen werde, 
so hat dieser Satz in seiner Allgemeinheit, und abge¬ 
sehen von der verwandten Schlußbestimmung des §. 57, 
allerdings auch seine Bedenken. Denn er setzt, wenn 
er richtig seyn soll, immer voraus, daß an der Per¬ 
son oder Sache, gegen welche die verbrecherische Thätig= 
keit gerichtet war, die aber irrthümlich für eine andere 
gehalten wurde, das Verbrechen ganz auf gleiche Weise 
verübt werden konnte, z. B. Tödtung des A statt des 
B, während er in allen Fällen eines s. g. putativen 
oder vermeintlichen Verbrechens nicht paßt; A schlägt 
vermeintlich den B, es findet sich aber, daß es sein 
eigner Sohn war. Auch muß man es wohl als sich 
von selbst verstehend betrachten, daß durch obige Be= 
stimmung der Fall einer s. g. aberratio ictus nicht 
hat entschieden werden sollen, indem dieser vielmehr 
unter den Grundsatz des §. 53. subsumirt werden müßte, 
Volage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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