Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1845 (1845))

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der bisherigen Straftheorie. 
ander umgewechselt werden. Qualitativ verschiedene Dinge 
sind aber an sich unvergleichbar, d. h. sie können nicht 
gegen einander abgewogen werden. Wenn z. B. ein Thier 
gegen ein Stück Möbel vertauscht wird, so ist gar kein 
Haltpunkt innerhalb des Begriffes dieser Gegenstaͤnde selbst 
anzutreffen, um zu bestimmen, daß dieser ein Aequivalent 
sey für jenen. Mithin ist ein verborgener Maßstab 
bei einem solchen Geschäfte vorhanden; ein unsichtbares 
Tertium comparationis ist ideell gesetzt, wie etwa die 
Doppelsterne, die sich einer um den andern drehen, sich 
ein gemeinsames Centrum ideell setzen, um welches sie krei¬ 
sen. Dieses Dritte des Vergleiches, dieser üͤber den bei¬ 
den Factoren, über den beiden Tauschsachen stehende Ex¬ 
ponent ist der Werth, und der sichtbare, reale Ausdruck 
desselben ist das Geld. Alle verschieden benannten Ge¬ 
genstände bringe ich unter den gemeinschaftlichen Nenner 
des Geldes. Das Geld ist somit der Generalnenner 
aller Dinge, die ganz allgemeine Sache, der existi¬ 
rende Werth. Das Papiergeld z. B. hat an sich selbst 
gar keinen Werth; es ist die abstrakte Existenz vom Be¬ 
griffe des Werthes. — 
Wird nun diese allgemeine 
Sache, die im Tausche als ideeller Exponent über die 
beiden zu vertauschenden Sachen trat, reell für eine 
besondere Sache hingegeben, so haben wir den Begriff 
des Kaufes. Der Tausch geht also durch den Exponen= 
ten, durch den Begriff des Werthes, in den 
Kauf über. 
In diesem Sinne soll der Verbrecher die Strafe bekom¬ 
men, welche sein Verbrechen werth ist. Die Strafe ist 
gerechte Vergeltung, indem sie dem Verbrecher den Werth 
seiner Schuld auszahlt. Schon in dem Worte Ver¬ 
geltung liegt der Begriff des Geldes, des Werthes. 
Arch. d. EN. 1845. 1. St. 
Vonage 
Staatsbiblic 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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