Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1853 (1853))

Die Straf=Proceß=Ordnung Oesterreichs 
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auf lebenslängliche schwere Kerkerstrafe erkannt werden. 
(§. 375.) 
In Betreff des Verfahrens wider Abwesende 
und Flüchtige (§. 377 ff.) ist zu bemerken, daß die Unter¬ 
suchung auch gegen den Abwesenden eingeleitet und bis 
mit Erlassung eines Anklagebeschlusses gegen ihn fortge¬ 
stellt werden kann, dagegen aber das weitere Verfahren 
gegen ihn in der Regel bis zur Betretung desselben auf 
sich beruhen soll. Als Ausnahme bestimmt aber §. 385 
hierbei Folgendes: „Wenn jedoch ein Verbrechen großes 
Aufsehen erregt hat oder die gänzliche Straflosigkeit wei¬ 
tere nachtheilige Folgen besorgen laßt, und wenn weder 
der Thatbestand, noch die Person des Thäters einem 
Zweifel unterliegt, so kann auch wider den Abwesenden und 
Flüchtigen verfahren und bis zu einer solchen Verurthei¬ 
lung vorgegangen werden, die in der öffentlichen Meinung 
wenigstens einige Wirkung gegen die Person des Thäters 
hervorzubringen fähig ist." In diesem Falle wird unter 
öffentlicher Vorladung des Angeschuldigten ein Contuma¬ 
cial=Verfahren eingeleitet, bei welchem jedoch der letztere 
durch einen Vertheidiger vertreten wird und in Bezug auf 
welches die allgemeinen Vorschriften über die Schlußver¬ 
handlung, das hierbei zu ertheilende Erkenntniß und die 
Berufung gegen letzteres gleichfalls zu beobachten sind. 
Das Straf=Urtheil wird am Schandpfahl angeschlagen rc., 
verliert aber bei der späteren Gestellung des Verurtheilten 
alle Wirksamkeit. (§. 386 ff.) 
Vom standrechtlichen Verfahren handeln die §§. 396 rc. 
und der §.-352 rc. von dem Anschluß des Beschä¬ 
digten an das Strafverfahren. 
Das Verfahren bei Uebertretungen (§. 416 ff.) soll 
ohne Mitwirkung der Staatsanwaltschaft — in 
sich — 
möglichst summarischer Weise auch die Erhebung der we¬ 
sentlichen Umstände, von welchen die Entscheidung abhängt, 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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