Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1842 (1842))

Der deutsche Strafprozeß 
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schaft kam, wurden dort auch die französischen Gesetze 
eingeführt; allein das Andenken an den rechtmäßigen 
Herrscher war den Toskanern ein zu theueres, als daß die 
Liebe zu den vom Eroberer eingeführten Formen recht wur¬ 
zeln konnte. Nur eine Ueberzeugung war allgemein bei 
den toskanischen Juristen, die, daß das mündliche öffent¬ 
liche Verfahren das vorzüglichere sey. Als Toskana an 
seine rechtmäßigen Herrscher wieder fiel, wurden die fran¬ 
zösischen Gesetze aufgehoben; um jedoch den Forderungen 
der Magistratur Genüge zu leisten, wurde durch das Gesetz 
vom 8. Juli 1814 3) eine Mischung von dem leopoldini¬ 
schen und dem französischen Prozesse gemacht. Der Jnqui= 
sitionsprozeß wurde beibehalten; es wurde ein Fiskal in 
das Verfahren eingeschoben, jedoch so, daß er nicht den 
Prozeß veranlaßte, sondern nur zusehen sollte, ob der 
Prozeß regelmäßig instruirt würde. Auf die Specialunter¬ 
suchung mußte förmlich erkannt werden. Die Unter¬ 
suchungsakten wurden dann dem Fiskale und dem Ver¬ 
theidiger zugestellt. Beide machten nun in der öffentlichen 
Sitzung vor dem Criminalgericht ihre Anträge; sie konn¬ 
ten sie auch schriftlich vorbringen, was häufig geschah. 
Der Angeklagte konnte bei dieser Sitzung erscheinen, worin 
er aber nicht verhört wurde; es wurde eine Relation vor¬ 
getragen, und nach ihr sprachen der Ankläger und der 
Vertheidiger. 
— Die allgemeine Stimme in Toskana 
erklärte jenen Mischungsversuch für einen unglücklichen. 
Im J. 1838 wurde nun durch Gesetz vom 23. August und 
Instruction vom 9ten November *) eine wichtige Verän¬ 
25) S. darüber Carmignani in der Zeitschrift für aus¬ 
länd. Gesetzgebung Bd. V. S. 403. 
26) Eine Schilderung des jetzigen Verfahrens mit Commentar 
zum Gesetze von 1838 s. in dem Werke: Il giudizio crimi¬ 
nale in Toscana. Secondo la Riformar Leopoldina dell 
anno 1838, di Ag. Ademollo. Firenze 1840. 
Vorlage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin 
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