Full text: Annalen der Rechtspflege in Rheinbayern, oder Darstellung merkwürdiger Rechtsfälle und ihrer Entscheidung durch die obern Gerichtshöfe Rheinbayerns, im Gebiete des Civil- und Criminal-Rechts (Bd. 1 (1830))

Vorwort. 
Wer die Wissenschaft des positiven Rechts in ihrem Wesen 
und in ihren Beziehungen zu dem Staate richtig aufgefaßt 
hat, wird anerkennen müssen, daß sie zwar als Wissen¬ 
schaft keinen ausgezeichneten Rang in Anspruch nehmen 
dürfe, weil ihre Wahrheiten nicht, wie bei andern Dis¬ 
ciplinen, auf unwandelbaren Naturgesetzen, sondern viel¬ 
mehr auf Normen beruhen, die das Resultat menschlicher 
Willensbestimmung sind, und von deren Unvollkommenheit 
sich die Wissenschaft nicht lossagen kann; daß ihr aber 
dennoch, als der vornehmsten Stütze aller bürgerlichen 
Ordnung und Wohlfahrt, mithin um ihrer Unentbehr¬ 
lichkeit Willen, unbedenklich die erste Stelle gebühre. 
Die Wissenschaft der Rechte ist sonach vorzugsweise eine 
praktische, — ein höchst folgenreicher Gesichtspunkt, 
den kein Rechtslehrer, er spreche nun vom Katheder herab 
oder durch Schriften, aus den Augen verlieren sollte. 
Aus dieser Andeutung, die hier keiner weitern Aus¬ 
führung bedarf, ergiebt sich von selbst, daß Alles was 
geeignet ist, die Rechtswissenschaft in ihrer Anwendung auf 
das wirkliche Leben zu beleuchten und auszubilden, beson¬ 
dere Aufmerksamkeit verdient, und mit vollem Rechte hat 
man von jeher die Darstellung merkwürdiger Rechtsfälle, 
Annalen 1. Bd. 1. Heft. 
oa 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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