Full text: Annalen der Rechtspflege in Rheinbayern, oder Darstellung merkwürdiger Rechtsfälle und ihrer Entscheidung durch die obern Gerichtshöfe Rheinbayerns, im Gebiete des Civil- und Criminal-Rechts (Bd. 1 (1830))

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feststellt und welcher nie Platz greifen kann, wo nicht die¬ 
selben Partheien vor Gericht stehen, ist es also, auf 
welchen die Beweißkraft der strafrechtlichen Urtheile, in so 
fern sie eine Thatsache als wahr erklären, gebaut 
werden muß. Daraus erhellet auch von selbst, warum 
nicht, im umgekehrten Verhältnisse, die Entscheidung des 
Civilrichters den Strafrichter binden könne, und warum 
die Entscheidung des Strafrichters, wenn er die Thatsa¬ 
che für unerwiesen erklärt, der Klage des Verlezten 
vor dem Civilrichter nicht entgegenstehe. Der Beweis, wie 
er dem Strafrichter vorliegen muß, kann dem Staatsan¬ 
walte fehlschlagen, während doch der Verlezte im Stande ist, 
einen Beweiß zu führen, wie er, zum Behuf einer bloßen 
Entschädigungsklage, vor dem Civilrichter genügt. 
„Zudem würde es im höchsten Grade anstößig seyn, 
wenn eine Thatsache, wegen welcher ein Individuum be¬ 
straft worden wäre, späterhin von dem Civilrichter als 
unerwiesen erklärt würde. Das Vertrauen des Volks zu 
den Strafgerichten würde dadurch auf eine höchst bedenkliche 
Weise erschüttert und der Thäter selbst gewissermaaßen 
autorisirt werden, sich über eine ungerechte Verurtheilung 
zu beklagen. 
„Die Bedenklichkeit, daß der Verlezte, nach dieser 
Lehre, als Zeuge in seiner eignen Sache erscheine, zerfällt 
durch die Betrachtung, daß der Strafrichter in seiner 
Ueberzeugung unabhängig ist; daß er, wenn der Verlezte 
als Zeuge gehört wird, wohl weiß, daß derselbe späterhin 
mit einer Entschädigungsklage auftreten kann, und daß es 
also an ihm ist, den Grad der Glaubwürdigkeit eines sol¬ 
chen Zeugen hienach zu bemessen. 
„Könnten übrigens diese allgemeinen Gründe noch Zwei¬ 
fel übrig lassen, so ist leicht nachzuweisen, daß das Gesetz 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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