Full text: Annalen der Rechtspflege in Rheinbayern, oder Darstellung merkwürdiger Rechtsfälle und ihrer Entscheidung durch die obern Gerichtshöfe Rheinbayerns, im Gebiete des Civil- und Criminal-Rechts (Bd. 1 (1830))

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würdigkeit eines Zeugen entspringen, sind nicht immer hinrei¬ 
chend, um der Wahrheit auf den Grund zu kommen. Es ist ge¬ 
wiß eine der wichtigsten wie der schwierigsten Aufgaben für den 
Gesetzgeber, diesem Uebel zu begegnen, und in dieser Beziehung 
dürfte, außer einer sorgfältigen Volkserziehung, als dem Grund¬ 
quell aller bürgerlichen Verbesserungen, auch in Frage kommen, 
ob nicht der Zeugeneid mit mehr Feierlichkeit zu verbinden 
sey, als es nach der französischen Gesetzgebung der Fall ist. Die 
Wirkung eines Eides auf die Wahrhaftigkeit des Zeugen hängt 
ganz von dem Eindruck ab, den der Eid auf das religiöse Gefühl 
desselben macht. Dieses darf daher bei der Form des Eides nicht 
unberücksichtigt bleiben. Die durch das franz. Gesetz vorgeschriebe¬ 
ne Formel des Zeugeneides, wonach der Zeuge mit aufgehobener 
Hand die Worte spricht: „ich schwöre, ohne Haß und 
ohne Furcht zu reden, die ganze Wahrheit und 
nichts als die Wahrheit zu sagen", wird zwar der Phi¬ 
losoph und jeder Gebildete schön und genügend finden. Allein der 
gemeine Mann nennt sie einen Franzosen-Eid, und hält 
sich dadurch gewiß weniger zur Wahrheit verpflichtet, als wenn 
man ihn z. B. das Evangelium berühren, oder doch eine feierli¬ 
che Anrufung des Höchsten aussprechen ließe. 
Amtliche Urkunde. 
Beweißkraft. 
Wenn gegen eine Beweißschrift, welche die äußere 
Form einer amtlichen Urkunde hat, der Einwand 
erhoben wird, daß das Individuum, dessen Name 
als amtliche Unterschrift auf der Urkunde steht, nie¬ 
mals existirt, oder doch niemals das fragliche Amt 
bekleidet habe, wem liegt über diesen Punkt der 
Beweiß ob? 
Erben Leitz gegen daß It. Aerar. 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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