Full text: Zeitschrift für die Criminal-Rechts-Pflege in den Preußischen Staaten mit Ausschluß der Rheinprovinzen (Bd. 11 = H. 21/22 (1829))

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durch dergleichen Täuschungen zu zwecklosen, oder ihm 
selbst nachtheiligen Handlungen hingerissen ist. *) 
Bei dieser Gelegenheit müssen wir nun auf die, 
nicht selten vorkommende, Erscheinung zurückkommen, 
daß schwere Verbrecher behaupten, vor oder bei Voll¬ 
bringung der That Stimmen und Worte gehört zu ha= 
ben, die sich meistentheils auf ihr Verbrechen bezogen. 
Diese merkwürdige psychologische Erscheinung kommt in 
mehrfachen Formen und Gradationen vor, und die rich¬ 
tige Beurtheilung und Unterscheidung derselben ist von 
großem Einflusse auf die Zurechnungsfähigkeit.) Nicht 
selten nämlich sagt ein Verbrecher, es sey ihm in dem¬ 
selben Augenblicke, wo er eine schwere That begehen 
wollte, oder auch vorher mit dem Gedanken an dieselbe 
sich beschäftigte, gewesen, als ob eine Stimme in sei¬ 
nem Innern ihm sage: thu es! erschlage ihn! u. dgl. 
Von hörbaren Worten ist hier nicht die Rede, und die 
ganze Erscheinung ist vollkommen natürlich zu erklären. 
Des Menschen Gedanken sind ja überhaupt ein Gespräch 
mit sich selbst, weshalb denn auch häufig heftige oder 
ungebildete Menschen laut mit sich selbst sprechen, viel= 
leicht auch noch dazu gestikuliren. So spricht denn auch 
die Leidenschaft oder böse Begierde in dem Herzen des 
Menschen, und, weil er aufgeregt und leidenschaftlich 
bewegt ist, lauter und heftiger als sonst. Auf die Zu¬ 
rechnung hat diese Erscheinung, die einen ganz natur¬ 
Der zuletzt angeführte Umstand, daß ein Mensch schon 
mehrmals durch die Täuschungen seiner Sinne zu zwecklosen 
Handlungen hingerissen ist, kann eigentlich nur zur Unterstützung 
des Beweises dienen, daß er auch in dem vorliegenden Falle, 
der zur Untersuchung Veranlassung gegeben hat, sich in einer 
solchen Täuschung befand. 
oge 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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