Full text: Zeitschrift für die Criminal-Rechts-Pflege in den Preußischen Staaten mit Ausschluß der Rheinprovinzen (Rep. 2. Bd. 11/13. 1829 (1830))

Aberglaube. 
Eben so wenig, wie eine bloß trübsinnige Vorstellung 
bei sonst ungestörtem Bewußtseyn von der Außenwelt im 
Stande ist, die Zurechnung aufzuheben, eben so wenig ist 
dies an und für sich bei dem Aberglauben der Fall. Die¬ 
ser ist ein Irrthum, aber nicht jeder Irrthum schließt die 
Zurechnung aus, sondern nur jener Zustand des partiellen 
Irreseyns, wo ein Traum und eine Vorspiegelung von 
Dingen, die nicht wirklich sind, sich durch das ganze Le¬ 
ben hinzieht. Damit ist zugleich die Frage entschieden, ob 
der religiöse Irrthum des Verbrechers ein Grund zur 
Aufhebung der Zurechnung werden könne. Daß der re¬ 
ligiöse Irrthum in wirkliches Irreseyn übergehen könne 
wenn er sich mit einer fanatischen Exaltation verbindet, 
wird Niemand leugnen, und eben so wenig das, daß der¬ 
jenige, welcher wirklich aus verkehrten Religionsbegriffen 
wahnsinnig geworden, wegen der in diesem Zustande be¬ 
gangenen Verbrechen nicht bestraft werden dürfe. Aber 
nicht jede falsche Religion ist ein solches, die Zurechnung 
ausschließendes Irreseyn, selbst wenn sie erweislich ver¬ 
kehrt und überspannt ist, oder mit wildem Fanatismus 
gepaart erscheint, da nur der Zustand des Menschen die¬ 
selbe aufhebt, wo er über sinnlich erkennbare Gegenstände 
irre ist, und die Begebenheiten, die er in den verwirrten 
Träumen seiner Phantasie erlebt, für wirklich vorgefallene 
XI, 351. 
Thatsachen hält. (Jarcke.) 
Actenreposition. S. Criminalprozeß (2.). 
Repert. z. Hitzigs Zeitschr. 
Volege 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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