Full text: Zeitschrift für die Criminal-Rechts-Pflege in den Preußischen Staaten mit Ausschluß der Rheinprovinzen (Bd. 3 = H. 5/6 (1826))

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Grad der Gewißheit, der, abgesehn von der Frage, ob er 
in concreto erreicht werden konnte oder nicht, erreicht 
worden und folglich erreichbar seyn muß, wenn die To¬ 
desstrafe erkannt werden soll. Das Kennzeichen dieses 
unerläßlichen Gewißheitsgrades ist: Es muͤssen That¬ 
sachen rechtlich gewiß seyn, welche die Annahme, daß das 
Verbrechen nicht in seinem ganzen Umfange begangen 
worden sey, als unmöglich, mit andern Worten, als un¬ 
denkbar nach den Gesetzen des menschlichen 
Verstandes, ausschließen. 
Nun setze man einmal, ganz abgesehen von dem 
vorliegenden Falle, daß A gesteht, den B vor wenig 
Wochen erschlagen und verscharrt zu haben, daß aber an 
dem Orte, den A angiebt, des B Leichnam sich nicht fin¬ 
det. Ist in diesem Falle wohl der eben beschriebene un¬ 
erläßliche Grad von Gewißheit vorhanden? Keineswe= 
ges! denn zum Verbrechen des Todschlages gehoͤrt unter 
andern auch wesentlich, das derjenige, an dem es veruͤbt 
worden seyn soll, auch wirklich todt sey; in dem gesetz¬ 
ten Falle aber ist es nach Verstandesgesetzen denkbar, 
daß B noch lebe, wenn schon A ihn als todt verscharrte. 
B konnte blos betaͤubt, blos scheintodt seyn; leicht ver¬ 
scharrt, konnte er zum Leben erwachen, bei der geringen 
Schwere der uͤber ihm liegenden lockern Erde sich auf¬ 
richten, und von dannen gehen. Unwahrscheinlich wird 
eine so seltsame Begebenheit in einem einzelnen Falle im¬ 
mer seyn, aber möglich, denkbar ist sie in jedem. 
Denkbar ist sie sogar in Pflockschens Falle, sobald man 
zugiebt, es sey nicht vollkommen gewiß, daß der Koͤrper 
Schwarzens Leiche war. Jch sage denkbar, und man 
vergesse keinen Augenblick, daß ich nicht mehr sage. 
Denkbar ist auch noch das, was der Mensch im ge¬ 
e. 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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