Full text: Zeitschrift für die Criminal-Rechts-Pflege in den Preußischen Staaten mit Ausschluß der Rheinprovinzen (Bd. 3 = H. 5/6 (1826))

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V. Von der Bestrafung. 
Wir müssen diese Betrachtung mit der Bemerkung 
über das Strafgesetz eröffnen: daß in Beziehung auf 
dessen Fassung der Gesetzgeber wohl thut, wenn er den 
Thatbestand zweckmäßig normirt, dann ein maximum 
und minimum der Strafe bestimmt und in diesem Zwi= 
schenraume, der nicht zu eng seyn darf, dem Richter freie 
Bewegung gestattet. — So wenig wir also geneigt sind 
den Richter durch zu eng gesteckte Gränzen zu beschrän= 
ken, so halten wir es dennoch, — vornämlich heutzu= 
tage, — für entschieden nothwendig, daß das Gesetz die 
Todesstrafe nie in des Richters Ermessen stelle, deshalb 
auch nie dieselbe als maximum, und eine andre, etwa 
eine Freiheitsstrafe als minimum feststelle. Vielmehr 
würden, nach unsrer Ansicht, unter den heutzutage obwal¬ 
tenden Umstaͤnden, die außerordentlichen Faͤlle, welche 
eine Ausnahme von der Todesstrafe, die das Gesetz an= 
droht, rechtfertigen könnten, ebenfalls gesetzlich festgestellt 
werden müssen. Auf die Anwendung dieses Prinzips 
kommen wir weiter unten im besondern Theile zurück, 
der Grund unsrer Ansicht aber ist folgender: Die Todes= 
strafe ist so häufig der Gegenstand einer einseitigen und bloß 
subjektiven Betrachtung geworden, es sind so viele senti¬ 
mentale Exceptionen gegen dieselbe vorgebracht, und so 
viel falsche, zum Theil auf einer ganz unphilosophischen 
Auffassung der menschlichen Freiheit beruhende Milde¬ 
rungsgründe erdacht, die eigentlich auf gänzliche Aus¬ 
schließung der Todesstrafe berechnet sind, — daß der Staat 
in dieser Beziehung nicht mehr mit vollkommener Sicher¬ 
heit auf die Privatüberzeugung der Richter vertrauen und 
es ihrem Ermessen anheim stellen kann, ob sie auf die 
Z. f. d. Cr. R. Pfl. 3. B. 1. H. 
Norage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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