Full text: Zeitschrift für die Criminal-Rechts-Pflege in den Preußischen Staaten mit Ausschluß der Rheinprovinzen (Bd. 3 = H. 5/6 (1826))

mehreren Jahren mit Rebecken Landmannin, einem nicht 
unbemittelten Bauermädchen von 23 Jahren im Dorfe 
Grund, als etwa den: daß alles was damals sich begab, 
auch heute noch, unter der Preußischen Gesetzgebung, sich 
begeben könnte, und daß die Defension Mancherlei enthält, 
was die Criminal=Gesetzgebung überhaupt inte¬ 
refsiren kann. Sehr wahr! — Aber es giebt wohl noch 
einen durchgreifenderen; nämlich den, daß es gewiß jedem 
Preußzischen Juristen von mehr als einseitiger Bildung, (und 
auf solche ist überall das Werk berechnet) wichtig seyn wird, 
zu sehen, wie ein als Dichtek und Critiker hochgehrter 
Mann sich innerhalb der Gränzen einer Arbeit im Geschäfs¬ 
styl bewegt, und hier den Poeten und Philosophen, dort den 
Rechtsgelehrten nicht verläugnet, ohne seinen Werken beiderlei 
Gattung, weder durch das eine, noch durch das andere, Abruch 
zu thun, ueberhaupt ist es erfreulich für das Volk der Juristen, 
Riele von Deutschlands ersten jetzt lebenden Poeten in ihren 
Reiben zu erdlicken. Möge der Dr. juris auch das geringfü¬ 
glaste von den Atributen des Alt= und Hochmeisters Gbehe 
seyn; genung er hat mit dieser Stufe angefangen, und wer 
weiß, ob er es nicht der ursprünglichen, durch das oft von 
Dichterlingen so vornehm über die Schulter angesehene Stu¬ 
dium, gewonnenen, Richtung zu danken hat, daß er, zu 
welchen Flügen ins Reich der Phantasie er auch mitnehme, 
immer wieder auf festem Boden landen läßt! Dann Mül¬ 
ner, von dem man eben nicht zu wissen brauchte, was im 
Conversationskezton erzählt wird; „daß eine in Eduard 
Henkes Schrft über die Strafrechtsthorie aufgeworfene Fea= 
ge; ob es nicht Verbrechet gebe, deren übersinnliche Existenz 
nur auf Kosten der sinnlichen zu retten und auf welche die 
Bemerkung des Senen anwendbar sey: ingenin talibus vicae 
egitus remedium est, optimumque est abire ei, qui ad 
ss nunquam rediturus est, ihm die Veranlassung zu der 
weltberühmten Tragddie, die Schuld, gegeben" um den tüch¬ 
tigen Eriminalisten in ihm zu erkennen; ferner Ludwig ub¬ 
land, (Friedrich Rückertr) und unter den jüngern vielver= 
sprechenden, Heine, Immermann, v. Rechtrih u. a. Worin 
sollte aber auch das Schisma zwischen der Poesse und dem 
Eriminalrecht begründet seyn, da beide es ja mit dem inner¬ 
D. H. 
sten Menschen zu thun haben! 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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