Full text: Zeitschrift für die Criminal-Rechts-Pflege in den Preußischen Staaten mit Ausschluß der Rheinprovinzen (Bd. 18 = Jg. 1831, Bd. 2 = H. 35/36 (1831))

68 
That in Beziehung auf Urtheil, Entschluß und 
Willen zwar, dem äußern Anschein nach, nicht 
von dem Normalen abweichend, dagegen in Be= 
ziehung auf die Vorstellkraft betheiligt gewesen 
sey, daß aber wegen der vorhandenen Epilepsie 
nicht angenommen werden könne, Inquisit habe 
sich zur Zeit der Verübung der That in einem 
Zustande der freien Selbstbestimmung 
befunden. 
Es stimmte also im Resultat, und in dem Punct 
worauf es ankam, mit dem Gutachten der beiden Sach= 
verständigen, des Kreis=Physicus Dr. Keibel und des 
Dr. Wernicke, überein, indem auch diese erklärt hatten: 
daß Inquisit sich zur Zeit, als er seinen Vater 
am 9. August (pr.) tödtlich verwundet hat, in 
einem Zustande der Unfreiheit befunden 
habe. 
Der Richter läßt jenes End-Resultat gelten, und 
er wird es so lange gelten lassen muͤssen, bis er dasselbe, 
wie unten auszufuͤhren, aus medicinisch-psychischen Grün¬ 
den uͤberzeugend widerlegt hat. 
Er betrachtet nun aber die Frage: 
ob Inquisit trotz dieser Beschränkung der freien 
Selbstbestimmung strafbar sey? 
als eine von dem nicht beseitigten und nicht aufgeho¬ 
benen Resultat der medicinisch-psychischen Bestimmung 
des Seelenzustandes des Jnquisiten zur Zeit der That, 
verschiedene, und zieht nur diese in das Gebiet seiner 
Beurtheilung, bejaht solche, mit der Erklärung, es leide 
kein Bedenken, daß bei der That die persönliche Freiheit, 
der vöog, das Criterium des Menschen als Person, bei 
dem Inquisiten nicht gänzlich aufgehoben, sondern nur 
Noag 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer