Full text: Niederrheinisches Archiv für Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtspflege (Bd. 2 (1817))

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56. 
Noch einige Worte von der mündlichen öffentlichen 
Rechtspflege. 
Es unterstellt wirklich eine unerwartete grobe Unwissen¬ 
heit der Einrichtungen alter und neuer Völker, wenn man 
die mündliche öffentliche Rechtspflege als eine Gallomanie 
tadeln, und sie ausgerottet wissen wilk. 
Die Geschichtbücher der alten Völker, vorzüglich der 
Eriechen und Römer, deren Gesetze fast allen kultivirten 
Völkern zum Muster gedient haben, selbst der Germa¬ 
nischen Völker und ihrer Abstammungen kannten keine 
Andere, bis der Inquisitions=Prozeß gegen die Ketzer im 
Mittelalter den Prozeß in einen heimlichen und schriftlichen 
verwandelte, und die unsinnige Verwirrung der Gesetz¬ 
gebungen dieses Verfahren auch in Civil=Prozessen be= 
günstigte. 
Doch haben die Engländer durchaus, die Spanier, 
das Königreich Neapel und Sizilien, die Franzosen und 
Holländer *) wenigstens in Civilsachen unter Andern sich 
vor diesem Uebel verwahret. 
Kein unbefangener Mann kann sich auch ärgern und 
ereifern, wenn in unsern Tagen Justizbeamte die Vor= 
üge der mündlichen öffentlichen Rechtspflege geltend machen, 
*) J. Voer comment, ad pandectas. Lib. III. Tit. I. §. 11. Licel 
enim non plures quam duos pro actore totidemque pro reo 
advocatos publico in auditorio perorare debere Hollandia 
curia decrevit. 
H. GROTIUS in manud. ad jurisprudentiam Hollandia. 
Lib. 2. Cap. 28. N.“ 5, et seq. ibique Groenvegen in notis 
N. 6. 
oe 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berli
	        
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