Full text: Niederrheinisches Archiv für Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtspflege (Bd. 2 (1817))

18 
Besonders möchte hier die Frage besser zu erschöpfen seyn, 
wie während dem Gange des Vergantungs=Prozesses das 
ergriffene Grundstück für den Gläubiger in seiner Inte¬ 
grität und Preiswürdigkeit zu erhalten und gegen alle 
Eingriffe, welche die gereizte Nachsucht des Schuldners 
daran versuchen, so wie gegen alle Werthverringerungen, 
welche Habsucht oder Fahrlässigkeit demselben zuziehen 
könnten, zu bewahren sey. Diese Frage, die bei der Aus¬ 
bildung des Vergantungs=Prozesses von höchster Wichtig¬ 
keit ist, findet sich durch die bisherigen Gesetze nicht aus¬ 
reichend beantwortet. 
Wenn man die Sache bloß aus dem theoretischen Stand= 
punkte betrachtet, so sollte man vermuthen, daß die Be¬ 
fugniß des Gläubigers, vermöge welcher er die Bedin¬ 
gungen, unter welchen der Verkauf Statt haben soll 
einseitig und ohne Zuziehung des Schuldners, diktirt, 
ein neuer Zankapfel und eine neue Quelle von Ungerech¬ 
tigkeiten oder doch Beeinträchtigungen werden könnte. 
Allein, diese Furcht findet sich in der Praxis ganz unge¬ 
gründet. Der Beispiele sind unendlich wenige, wo dieser 
Punkt Debatten veranlaßt, und den Vergantungs=Prozeß 
verlängert und vertheuert hätte. Die vorzüglichste Be¬ 
dingung des Gläubigers ist immerhin die Feststellung eines 
schnellen Zahlungs=Termins. Die übrigen Bedingungen 
haben gewöhnlich für den Schuldner, so wie für den 
Gläubiger das nämliche Interesse, da man beiderseits da¬ 
durch nur einen hohen Kaufpreis zu erwirken wünschen 
kann; es läßt sich also eiklären, warum diese Einrich¬ 
tung nicht so nachtheilig wird, als sich wohl besorgen ließe. 
Das allenfalls entspringende Uebel, wird durch die sum¬ 
oa 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer