Full text: Niederrheinisches Archiv für Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtspflege (Bd. 2 (1817))

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hält, — eine solche, wie sie der sonst allgemein averkann¬ 
ten Welt= und Zeitgeschichte angehört. 
Die Gründe, welche von jeher obwalteten, die ge¬ 
schichtliche Beurtheilung einer Handlung nicht dem Er¬ 
messen des Richters zu überlassen, welcher nur nach der 
Schrift zu urtheilen hat, machen es auch nothwendig, 
daß jenes Gericht von dem Personal der strafenden Richter 
getrennt sey. 
Es soll ferner aus dem Leben seine Ansichten schöpfen, 
und darauf seine Ueberzeugung gründen. Hieraus folgt: 
daß der Prozeß im Zusammentreffen aller Personen, die 
dabei mitzuwirken haben, geführt werden muß; — daß 
der Angeklagte mit seinen Vertheidigern, die Zeugen, 
die Richter, die klagende Staatsbehörde, wo eine solche 
abgesondert besteht, dabei ununterbrochen gegenwärtig 
seyn müssen; — daß die Verhandlung mündlich geschehen 
muß, weil das Wort die lebendigste Darstellung der Ge= 
schichte ist, weil es mehr wirkt als ganze Bände geschrie= 
bener Erklärungen, und weil die Wahrheit sich nur in 
den von Angesicht zu Angesicht gemachten Aeusserungen 
hell und deutlich entwickelt; — daß die Prozedur öffent= 
lich seyn muß, weil die Rede, vor den Augen der Welt 
gesprochen, den höchsten Grad der Freiheit zeigt, und die 
möglich größte Ueberzeugung hervorbringt. Es folgt fer= 
ner daraus, daß dieses Gericht aus Leuten bestehen muß, 
die keiner Gesetzeskunde bedürfen, sondern die nur im 
reifen schlichten Menschen Verstande die Umstände ge= 
schichtlich zu prüfen, das Wahre von dem Unwahren zu 
sichten, die Vorfälle des Zeitalters, worin sie leben, nach 
ihren Verhältnissen zu beurtheilen, und aus allem diesem 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berli
	        
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