Object: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1853 (1853))

10 Die strafrechtl. Verantwortlichkeit der Aerzte rc. 
Heilmittel giebt, daß der Pfuscher durch seine allen ver¬ 
nünftigen Heilanzeigen entgegengesetzte Behandlung zwar 
nicht den Tod der Kranken bewirkt, weil dieser nach der 
Natur der Krankheit unvermeidlich war, aber wahrschein¬ 
lich durch seine Behandlung den Tod beschleunigt hat. Das 
Gericht sprach hierauf den Pfuscher von dem Verdachte, 
den Tod des Mädchens verschuldet zu haben, frei, es wurde 
aber polizeiliche Bestrafung wegen Pfuscherei ausgesprochen 29). 
In einem andern Falle war eine Untersuchung gegen eine 
Hebamme wegen verursachten Todes einer Kreissenden ein¬ 
geleitet. Die Hebamme war zu einer mit Zwillingen hoch¬ 
schwangeren Frau um 7 Uhr Abends gerufen, fand ihre 
Hülfe noch nicht zeitgemäß, kehrte um 10 Uhr auf wieder¬ 
holten Ruf zurück; ein lebendiges Kind wurde nun zur Welt 
gefördert; bald darauf starb die Mutter, bevor die zweite 
Frucht geboren war. Die Hebamme hielt die Herbeirufung 
eines Geburtshelfers für überflüssig, legte auch keine Hand 
an, um das zweite Kind aus dem Mutterleibe zu entfer¬ 
nen. Der erst 4 Stunden nach dem Tode der Mutter zu¬ 
fällig dazu kommende Wundarzt machte den Kaiserschnitt, 
konnte aber das todte Kind nicht wieder beleben. Die vor¬ 
genommene Untersuchung ergab das Resultat, daß der Tod 
der Mutter die Folge plötzlicher Erschöpfung war, daß die 
Entbindung die Momente geliefert haben müsse, aus denen 
die tödtliche Erschöpfung hervorging, und diese die Wirkung 
wirklicher Verblutung war und daß der Tod des Kindes 
als Folge des Ablebens der Mutter angesehen werden müsse. 
Das Gutachten prüfte umständlich, ob Fehler von Seiten 
der Hebamme vorlagen, fand 6 solche Kunstfehler (grund¬ 
loses Fortgehen, nachdem die Geburt als nahe bevorstehend 
angezeigt war, Unterlassung der Sorge, daß ausreichendes 
29) Schäffer (Preuß. Sanitätsrath und Kreisphysikus) Sammlung 
gerichtsärztlicher Gutachten, Berlin 1852) S. 190 — 204. 
Vorlage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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