Full text: Niederrheinisches Archiv für Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtspflege (Bd. 2 (1817))

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In dem ersten Rechtszustande der Völker, selbst wo 
schon posttive Gesetze d. h. geschriebene oder ungeschriebene 
Entscheidungen für diese und jene gegebene Fälle, ange= 
troffen werden, finden wir noch keine oder wenig bestimm¬ 
te Vorschriften, wie diese Fälle gegeben, wie sie ge¬ 
schichtlich erhärtet werden sollen. Der Richter hatte zu= 
zusehen, ob die Wahrheit vor Augen lag oder nicht, 
und wie sie entdekt werden konnte. Frühe ward das 
Zeugniß glaubwürdiger Personen als Beweis der Wahr¬ 
heit angenommen, und in dessen Ermangelung, oder, 
wo, besonders in peinlichen Fällen, man dem menschlichen 
Wissen zu wenig zutraute, nahm man das höchste Wesen 
zur Aufdeckung der Wahrheit in Anspruch, daher die 
Anwendung von Orakeln und Gottesurtheilen. 
Nachdem die Menschen das unzureichende dieses Mit= 
tels erkannt, so wie es ihnen auch zu gefährlich erschien, 
dem Ermessen des Richters die Erkenntniß ferner zu über= 
lassen, ob diese oder jene Handlung wirklich geschehen 
sey, also diesem oder jenem Gesetze unterliege, ward die 
Theorie des Beweises auf feste Regeln gebracht, und das 
Gesetz verordnete, ausser den Rechtsbestimmungen, auch 
die Art, wie der Beweis geführt werden sollte, wenn er 
als vollgültig anzunehmen, oder als unzureichend zu ver¬ 
werfen wäre; — die Lehre des Beweises ward ein eigner 
Gegenstand der Gesetzgebung und des juristischen Studiums. 
Es ist indessen eine anerkannte Wahrheit, daß Ge¬ 
schichte, als solche, keines apodiktischen Beweises fähig 
ist. Sie bewegt sich in der Materie, und das Materielle 
gibt nur subjektive, nie objektive Gewißheit. Wo alle¬ 
Votage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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