Full text: Niederrheinisches Archiv für Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtspflege (Bd. 2 (1817))

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nun dem ohnehin genug besteuerten Volke eine solche neue Last auf¬ 
gebürdet werden, ungeachtet es über die jetzige Verwaltung der Justig 
keine Klage führt? — Schwerlich dürfte es sein Wunsch seyn hun¬ 
derttausende mehr zu zahlen, damit geschrieben und wieder geschwieben 
werde, was das lebendige Wort besser zu leisten vermag; schwarlich 
wird es solche Summen hingeben wollen, damit heimlich instirwirk 
und protokollirt, registrirt, journalirt, rotulirt, terminirt, kangürt, 
insinuirt, kalkulirt, expedirt und einkassirt, dezernirt und ertendret 
referirt, korr ferirt und superkorreferirt rc. rc. werde, wus allas 
heuer, deutsch, kurz, bündig und öffentlich unter seinen Angen 
verhandelt wird. Muß aber eine Verbesserung so theuer ankauft 
werden, warum läßt man denn einstweilig — welches nun beinate 
vier Jahre dauert — die Beamten, welche die Justiz um so viel 
wohlfeiler, ohne Nachtheil des gemeinen Wesens verwa ten, soschreck= 
lich darben. Sie sind platterdings ausser Stande, für sich anständig 
zu leben, geschweige ihre Familien ernähren, ihre Kinder zu nichlichen 
Staatsbürgern erziehen und ihren Wittwen einen Notlpfennig zu¬ 
rücklassen zu können. Schimpflich stehen sie selbst den suhmtternen 
Verwaltungs=Beamten nach. Landleute, Handwerker, Künstlar aller 
Art, Gelehrte und die Kauf- und Gewerbherren sehen mit Ichsel¬ 
zucken auf ihre Besoldungen herab. 
Freiheit der Rede. 
Der allverehrte Volksfreund Jahn gibt in seiner Schluß=Var¬ 
lesung über deutsches Volksthum, nach einer Erklärung, daß 
er von Jugend an ein öffentliches Leben geführt, seine Gründe an, 
warum er jetzt öffentlich das Wort genommen: „weil es durch ulmas 
serviles, (zu deutsch Schmalzgefellen) bald dahin gebracht worden, 
daß alle Rede verstummt wäre." 
(Auszug aus der N. 3 d. D.) 
oage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlir 
pälsche Rechtsgeschchte  ae
	        
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