Full text: Niederrheinisches Archiv für Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtspflege (Bd. 2 (1817))

digung angeführten Umstände, im Drang der Geschäfte, 
vielleicht auch nur die anscheinend erheblichen aufnehmen, 
doch nur in der Form, wie sie sich ihm darstellen, und 
bloß als Zweifelsgründe, welche zu widerlegen sind. 
Gerade bei der Beurtheilung des Faktums, kommt oft 
auf die Zusammenstellung der einzelnen Umstände, und 
auf die Verbindung in welche sie gebracht werden, alles an. 
Kann es nun, falls der Referent den Beklagten für 
schuldig hält, diesem gleichgültig seyn, daß die erkennen¬ 
den Richter nicht ihn, nicht seinen Vertheidiger hören 
nicht die Akten, nicht die Vertheidigungsschrift lesen, 
sondern ihre Kenntniß von seiner Unschuld und Schuld 
nur durch den Vortrag eines oder mehrerer Dritten er= 
halten, welche sich für seine Schuld bereits bestimmt 
haben? 
In den alten Preußischen Provinzen ist dieses Uebel 
theils durch die Gewohnheit, theils durch die Vergleichung 
mit dem schriftlichen Prozeß in den übrigen deutschen Pro= 
vinzen, welcher dem Preußischen bei weitem nachstand, 
dann durch gelinde Strafgesetze, durch zweckmäßige Kon 
trollen, selbst durch die an sich nicht zu vertheidigende 
Lehre der ausserordentlichen Strafen, und endlich durch 
den herrlichen Sinn der Richter gemildert worden. Läßt 
sich aber in der That etwas unnatürlicheres denken? Man 
theile dieses Verfahren dem mit unserer Verfassung un¬ 
bekannten Bewohner eines fremden Welttheils mit, wird 
er, werden unsre ferne Nachkommen es für glaublich hal= 
ten, daß ein so edles, gebildetes und großmüthiges Volk 
als das deutsche seine Angeklagten, ohne sie, oder ihre 
Staatsbibliothel 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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