Full text: Neues Archiv des Criminalrechts (Bd. 13 (1833))

628 
Beurtheilung 
Strafarten. Auch wir sind überzeugt, daß der Gesetzgeber 
nicht unbeschränkt ist, daß sein Wirken durch die Gerechtig¬ 
keit beschränkt und durch moralische Gesetze geleitet werde. 
Aber berechtigt ist er zu allen Einrichtungen, ohne welche 
der Zweck der bürgerlichen Gesellschaft überhaupt nicht er¬ 
reicht werden könnte; die Nothwendigkeit rechtfertigt dann 
auch die Anwendung gewisser Strafarten. Es ist nicht zu 
zweifeln, daß unter Umständen die Todesstrafe völlig ent= 
behrt werden kann, weil sie nicht mehr nothwendig ist, da 
andere Anstalten den Zweck, welchen diese Strafe jetzt noch 
zu erreichen verspricht, eben so sicher erreichen; hiezu aber 
gehört eine völlige Umgestaltung der Strafeinrichtungen, die 
nicht das Werk einer flüchtigen Organisation, vielmehr das 
Produkt großer Berathungen und bedeutender pecuniärer 
Anstrengungen seyn muß So lange noch die allgemeine 
Stimme des Volkes die Todesstrafe für die allein sichernde 
hält, so lange nur bei der Mehrzahl der Bürger an die An¬ 
wendung dieser Strafart das Gefühl völliger Beruhigung 
sich knüpft, und so lange der Staat nicht andere Anstalten, 
welche eben so sichern und beruhigen, einrichten kann, würde 
das Experiment der Abschaffung der Todesstrafe ein gefähr= 
liches seyn. Wir ehren die Stimme derjenigen, welche die 
Forderungen der Meyschlichkeit und Civilisation geltend ma¬ 
chen; glauben aber, daß den wahren Bedürfnissen diejeni= 
gen mehr abhelfen, welche der Gesetzgebung praktisch 
ausführbare Mittel angeben, wie die Todesstrafen mög 
lichst selten angewendet und durch zweckmäßig eingerichtete 
Strafarten surrogirt werden können. 
Halle, gedruckt in der Gebauerschen Buchdruckerei. 
Totge 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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