Full text: Neues Archiv des Criminalrechts (Bd. 13 (1833))

der neuesten criminalistischen Schriften. 627 
digen. Er geht nämlich davon aus (S. 23), daß jede Ab¬ 
wehr, Strafe und Strafgesetzgebung an das unerläßliche 
Maaß der moralischen Persönlichkeit und Intelligenz ge¬ 
bunden ist; daß das Strafrecht in seinem ganzen Umfange 
und Begriffe abhängig ist vom Begriffe des Rechts; daß 
moralische Persönlichkeit und die physische Natur der Men= 
schen unverletzlich ist; daß die Strafe ein innerer, selbst von 
der moralischen Natur auferlegter dictirter Rechtszwang ist 
der nie die Urrechte des Menschen verletzen darf (S. 40) 
daß die juristische Gerechtigkeit nur über die äußeren Tha¬ 
ten der Willkühr nach dem Gesetze der moralischen Vernunft 
richte; nur die mechanische Gerechtigkeit (Zahn um Zahn, 
Haut um Haut) könne Körper= und Todesstrafen billigen. 
Die Todesstrafe ist ungerecht (S. 41), weil sie das Leben 
selbst, das vermittelnde Princip zwischen dem überfinnlichen 
und sinnlichen Daseyn, das Princip, durch welches sich der 
Mensch für das höhere Leben ausbilden soll, angreift, weil 
selbst der Eindruck / den die Strafvollziehung auf die Zu= 
schauer macht, der Gerechtigkeit nachtheilig ist; daß die Ge= 
wißheit, auf welche der Staat baut, nur eine muthmaß= 
liche, problematische ist, und daß auf eine solche schwan¬ 
kende Grundlage eine irreparable Strafe nicht gebaut wer= 
den könne. — Das Leben, sagt der Verf. S. 64, ist an 
sich eine unendliche Größe, welche bis in die Ewigkeit reicht 
und kein Mensch, kein Staat hat das Recht, diese Linie 
abzukürzen oder abzuschneiden. Auf dem Leben des Men¬ 
schen ruht der erhabene Beruf, sich für die Unsterblichkeit 
auszubilden. Keine Strafe darf dem Princip der Besse= 
rung zuwider seyn, und das moralische Leben ist einer un¬ 
endlichen Verbesserung in und durch die Erdenwelt fähig 
und bedürftig. Die Todesstrafe ist unrecht in Beziehung 
auf die christliche Philosophie und Religion „Wie gerne 
stimmt man dem Verf. bei, wenn er wünscht, daß die Straf¬ 
gesetzgebung gereinigt werde von den Vorurtheilen vergan= 
gener Zeiten und von jenen durch kein Gerechtigkeitsprin¬ 
cip, sondern durch Verkennung der menschlichen Natur, 
durch Rohheit und Blutdurst der Gesetzgeber und die un= 
würdige einseitige Rücksicht auf Abschreckung erzeugten 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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