Full text: Neues Archiv des Criminalrechts (Bd. 9 (1826))

der neuesten criminalistischen Schriften. 179 
Betrachtung verdient, da die französ. Gesetzgebung den 
Punkt des Beweises des Thatbestandes gar leicht nimmt, 
und daher häufig mit einer sehr lückenhaften Grundlage 
der Untersuchung sich begnügt. Die Hauptfrage ist: Darf 
man aus den Indicien, aus welchen man die Wahrschein¬ 
lichkeit ableitet, daß eine gewisse Person ein gewisses Ver¬ 
brechen verübte, auch die Wahrscheinlichkeit ableiten, daß 
Der 
überhaupt dies Verbrechen verübt worden sey? —- 
Verf. nimmt in Bezug auf den Beweis eine eigenthümliche 
Abtheilung der Verbrechen an, indem er Delicte, die durch 
Handlungen verübt werden, von denen trennt, welche 
durch Worte begangen werden, und die ersten in delicta 
facti transeuntis und facti permanentis trennt. Rec. 
glaubt nicht, daß man mit dieser Abtheilung etwas 
Gute und originelle Bemerkungen kommen 
gewinnt. 
(S. 145 — 151) über den Beweis des Dolus vor. 
Interessant ist, was (S. 155--158) über die sogenännte 
praesumtio innocentiae, worauf Bentham in seinem 
Buche soviel baut, gesagt wird; der Verf. meint, daß 
man gar nicht von einer eigentlichen praesumtio hier spre¬ 
chen könne, daß sie auch in der Wirklichkeit, wenn man 
den Gang des Criminalprozesses, und seine Stadien be= 
trachtet, keine praktische Bedeutung habe, und der Satz: 
actore non probante, reus absolvitur, ohne diese prae¬ 
sumtio besteht. Auch über den Gegenbeweis finden sich 
(S. 158—169) gute Bemerkungen. Was gegen die 
Beweistheorie in der letzten Abtheilung vorgebracht wird, 
ist weniger bemerkenswerth (nur die S. 186 vorkommende 
Widerlegung der Ansichten Filangieri's ist gut). 
Hätte der Verf. die deutschen, bei Gelegenheit der Frage 
über Einführung der Jury erschienenen Schriften gekannt, 
so würde er sich gewiß überzeugt haben, daß das Expe¬ 
riment, dem sogenannten gesunden Verstande der Rich= 
ter und ihrer innern Ueberzeugung das Urtheil zu überlas¬ 
sen, gefährlich und weniger sichernd ist, als eine, aus langer 
Erfahrung und richtiger Logik geschöpfte, Warnungen, Ver= 
bote, Fingerzeige rc. des Gesetzgebers enthaltende Beweistheo= 
rie, bei welcher man ja gar nicht den Einfall je gehabt hat, 
das richterliche Ermessen ausschließen zu wollen. 
M 2 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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