Full text: Neues Archiv des Criminalrechts (Bd. 8 (1826))

über die Strafe des Kindesmords. 637 
muth noch Furcht vor Mißhandlungen, 
noch Schamgefühl, sondern blos durch Leicht¬ 
sinn und Rohheit getrieben, ihr erwiesener 
Maaßen tlebend gebornes Kind getödtet 
und erweislich sehr leicht geboren habe? 
Entwickelt man die in dieser Frage gegebenen 
Merkmale genauer, so ergiebt sich aus denselben, 
daß nach jener Ansicht Todesstrafe für den Fall habe 
angedroht werden müssen, wenn 
) der Entschluß, das Kind zu tödten, aus blo¬ 
ßem Leichtsinn und aus Rohheit ent¬ 
standen, und vor dem Eintritt der Entbin¬ 
dung, während der Schwangerschaft, gefaßt 
worden sey; 
wenn die Entbindung selbst erweislicher Maa¬ 
ßen sehr leicht statt gefunden; 
und das erwiesener Maaßen lebend ge¬ 
3) 
borne Kind getödtet worden sey. 
Nun ist es zwar vollkommen richtig, daß; wenn 
diese drei Momente, in einem einzelnen Falle als 
über allen Zweifel erhaben, zusammen¬ 
treffend angenommen werden könnten, alle die= 
jenigen Gründe hinwegfielen, welche die Todesstrafe 
bei dem Kindesmorde als unpolitisch ausschließen, 
mithin die Androhung der Todesstrafe für diesen Fall 
rechtfertigen würden. Wenn es aber schon mißlich 
ist, in einem Strafgesetzbuche einen besondern Fall, 
der sich, wegen der Bedingung mehrerer zusammen¬ 
treffenden Momente, nur selten ereignen kann, vor¬ 
zugsweise auszuheben, und nach demselben die 
Strafe des Verbrechens festzusetzen, dagegen die ge¬ 
Tt. 
N. A. VIII. 4. 
Vorlage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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