Full text: Neues Archiv des Criminalrechts (Bd. 8 (1826))

der neuesten criminalistischen Schriften. 363 
t 8) Tübingen, bei Laupp: Ueber das Studium der 
Rechtswissenschaft und insbesondere der Strafrechts= 
wissenschaft, vom Vicedirector v. Weber 1825. 
Obwohl die Schrift, wie schon der Zusatz auf dem Ti¬ 
tel: vorzüglich für seine Zuhörer, ausspricht, zunächst für 
junge Männer bestimmt ist, denen der Verf. verständig 
und wohlwollend recht zweckmäßige Rathschläge über die 
beste Einrichtung ihrer Studien giebt, so enthält sie doch 
auch Manches, was einer allgemeinen Aufmerksamkeit 
würdig ist; von der Strafrechtswissenschaft handelt die 
Schrift erst von S. 46 an; der Verf. spricht S. 49 von 
der Abtheilung in Verbrechen und Polizeiübertretungen, 
und rechnet zu den ersten die unmittelbaren, zu den zweiten 
die mittelbaren Störungen der bürgerlichen Ordnung; gegen 
diese Ansicht ist freilich Manches zu erinnern; schon an sich 
möchte a priori nicht wohl bestimmt werden können, in wie 
fern durch eine Handlung die bürgerliche Ordnung unmittel¬ 
bar oder mittelbar verletzt wird; man denke z. B. an die 
unnatürliche Unzucht, an die Blutschande, an Gottesläste¬ 
rung, an die Kindesaussetzung unter völlig ungefährlichen 
Umständen; consequent müßte man diese nur zur Polizei= 
übertretung stempeln. Auch darf nicht unberücksichtigt blei¬ 
ben, daß die meisten Gesetzgebungen geringe Rechtsver¬ 
letzungen, z. B. Diebstähle unter 5 Fl., geringe Beschädi= 
gungen rc. nur als Polizeiübertretungen aufstellen, ohne 
daß man das Merkmal der Rechtsverletzung abläugnen 
kann. — Wenn S. 51 der Verf. in Ansehung der Zu¬ 
rechnung behauptet, daß die That aus der Willkühr des 
Subjects hervorgegangen seyn müsse, so muß auch dagegen 
erinnert werden, daß man damit die Untersuchung: in wie 
fern Freiheit das Prinzip der Zurechnung sey, nicht für über¬ 
flüssiz erklären dürfe, und Rec. glaubt selbst, daß man 
durch Annahme der Willkühr als Prinzip consequent zur 
Straflosigkeit des Affects kommen müßte. Der Verf. S. 54 
zeigt, daß das Strafrecht zum öffentlichen Rechte gehöre; 
er betrachtet im gemeinen Criminialrechte das röm. Recht 
nur als Hülfsrecht S. 59; mit Recht hält er S. 68 den 
Gerichtsgebrauch für eine reichhaltige Quelle des gemeinen 
Criminalrechts, nimmt aber auch S. 69 die Philosophie 
Vonge 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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