Full text: Neues Archiv des Criminalrechts (Bd. 8 (1826))

der neuesten criminalistischen Schriften. 359 
6) Groningae: Diss. de delictis adversus peregri¬ 
nos maxime adversus milites hostiles, auctore 
C. Fr. Frisius Rinia van Nauta. 1825. 
Die Frage: ob der Bürger an feindlichen Soldaten ein 
Verbrechen verüben könne, ist auch in unserm Archiv I. Bd 
S. 403 erörtert worden. Gewöhnlich denken die Schrift= 
steller nur an den Mord, welcher an feindlichen Soldaten 
verübt würde, ohne zu erwägen, daß der Gesichtspunkt all¬ 
gemeiner gefaßt werden muß. Wer behauptet, daß der 
Mord des feindlichen Soldaten nicht nach den Gesetzen des 
Staats bestraft werden könne, dessen Bürger der delinqui= 
rende Mörder ist, muß auch behaupten, daß Nothzuch 
Diebstahl, vis und alle andere Verbrechen gegen den feind= 
lichen Soldaten verübt werden könnten. Der Verf. der 
vorliegenden gut geschriebenen Abhandlung hat den Stand= 
punkt richtig aufgefaßt, er zeigt S. 7—-10, wie man zur 
Beantwortung der Frage auf römische Ansichten sich nicht 
berufen könne, beweist dann S. 11-17, wie nach dem 
Völkerrechte auch der Bürger des feindlichen Staates, in 
so fern er nicht in der Schlacht dem Feinde gegenüber steht, 
auf den allgemeinen Schutz der Gesetze des Landes An= 
spruch habe, in welchem er sich aufhält; er macht S. 22 
auf die veränderte Art Krieg zu führen aufmerksam, so daß 
bei uns nur Soldaten den Soldaten gegenüber stehen und 
die andern Bürger am Kriege nicht Theil nehmen, daher 
auch die Nichtsoldaten, wenn sie freiwillig Waffen ergreifen, 
vom Feinde nicht als Soldaten behandelt würden. Der 
Verf. widerlegt dann die entgegenstehenden Ansichten insbe= 
sondere S. 27 der Völkerrechtslehrer, S. 29 die Behaup= 
tungen Aschenbrenner's, S. 33 Tittmann's und 
S. 35 Henke s. Auch giebt der Verf. S. 37 mit Recht 
die von Einigen (z. B. den Wittenberger Juristen) ge¬ 
äußerte Meinung nicht zu, nach welcher der Thäter zwar 
nicht nach den Landesgesetzen, sondern den allgemeinen 
Grundsätzen vom Vertheidigungsrecht und nach dem Völ¬ 
kerrechte gestraft werden soll. Der Verf. zeigt S. 56 recht 
gut, wie wenig vom Völkerrechte eine feste Strafnorm er¬ 
wartet werden kann; er gesteht S. 63 die Schwierigkeiten, 
welche die Meinung derjenigen hat, welche nach den allge¬ 
oage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer