Full text: Neues Archiv des Criminalrechts (Bd. 8 (1826))

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Ueber gefährliche Handlungen, 
wahrscheinlich, noch zweifelhaft, sondern unwahr¬ 
scheinlich oder blos möglich ist und also eine Rechts¬ 
gefahr, in dem gewöhnlichen Sinne des Worts, 
nicht obwaltet, unterlassen. Ich habe solches schon 
§. 2. geleugnet. Der Grund ist folgender: Der 
Mensch hat, nach dem obersten Grundsatze der phi= 
losophischen Rechtslehre oder des Naturrechts, blos 
auf dasjenige ein Recht, wobei die äußere Freiheit 
aller andern Menschen bestehen kann. Das Recht 
ist, im objectiven Sinne, die Uebereinstimmung des 
Handelns mit der äußern Freiheit Anderer. Es ist 
zugleich die Bedingung der Coexistenz mehrerer Men= 
schen. In derselben besteht, mit andern Worten, 
die Bedingung, unter welcher das freie Handeln 
vernünftiger Wesen neben einander möglich ist. So 
wie nun die äußere Freiheit Anderer nicht bestehen 
kann, wenn Jemand etwas thut oder unterläßt, 
wodurch dieselben in die beschriebene Gefahr gesetzt 
werden; so ist auch die Forderung an Andere, alle 
Handlungen zu unterlassen, vermöge welcher es blos 
möglich oder unwahrscheinlich ist, daß ein Mensch 
eines Guts beraubt werde, mit der äußern Freiheit 
derselben unvereinbar. Denn die mehresten Hand= 
lungen sind so beschaffen, daß sie die Möglichkeit 
einer aus ihnen entstehenden Rechtsverletzung nicht 
ausschließen. Es würde der Mensch, wenn man 
das Recht annehmen wollte, die Unterlassung aller 
dergleichen Handlungen zu fordern, in der Verfol= 
gung seiner Zwecke ganz gehemmt und aller Verkehr 
mit andern Menschen aufgehoben werden. Es dürfte 
z. B. Niemand den Andern das sicherste Pferd be= 
steigen, oder in seinem Wagen fahren lassen, oder 
Voage 
Staatsbiblothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlir
	        
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