Full text: Archiv für die Gesetzgebung und Reforme des juristischen Studiums (Bd. 1 (1808))

516 | XXIX. Noch etwas über die Einführung rc. 
Glaubt eine Regierung, daß ihr Civilrecht einer Re= 
forme bedarf, und hält sie es den politischen Verhältnis= 
sen gemäß, hiebei auf das napoleonische Civilgesetzbuch 
besondere Rücksicht zu nehmen, so ist es unbestreitbar 
besser, nichts halb zu thun, und den Code Napoleon 
als gemeines Recht, wie er ist, unverändert und 
ohne Umarbeitung zu recipiren. Die Modifica¬ 
tionen, welche allenfalls Localverhältnisse und einheimi= 
sche Rechtsinstitute erfördern, könnten in einzelnen weni= 
gen besondern Gesetzen bekannt gemacht werden. 
Seidensticker wirft am Ende seines trefflichen 
Werks k) die Frage auf: wie wird es gehen, wenn man 
in Teutschland weder den Code Napoleon zu adoptiren, 
noch sich auf eine eigene Verbesserung der Civillegisla= 
tion einzulassen Lust hätte? Er glaubt, es werde dann 
durch das starke Mittel der doctrinellen Jurisprudenz ein 
großer Theil von dem, was der Code Napoleon ent- 
hält, und sich durch den Geist der Zeit von selbst gel= 
tend machen wird, in die Jurisprudenz übergehen. Hät= 
te doch dieser verdiente Gelehrte auch die Frage aufge¬ 
worfen, welche als drittes Glied seiner Alternative be= 
trachtet werden kann: wie wird es gehen, wenn in Teutsch= 
land jeder Staat sein eigenes Gesetzbuch haben will, 
und sich weigert, Napoleons Gesetzbuch aufzunehmen: ist 
nicht zu erwarten, daß Er, der Protector, durch eine 
nachdrücklichere Erklärung seines in so vielen Staaten ge= 
äusserten und durch so viele Beispiele erprobten Wunsches 
dieser Jsolirung ein Ende mache? Eine Frage, deren Be= 
antwortung nicht so leicht ist, als es vielen scheinen 
möchte. 
k) Kap. IX. §. 22. 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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