Full text: Juristische Miscellen besonders das preußische Recht betreffend (St. 2 (1804))

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Schreien zu verhindern, in den Hals gefaßt und also 
wirkliche Gewaltthätigkeiten verübt hatte. 
Erwägt man nun, daß der Inquisit nach seinem er¬ 
steren Geständnisse — das er nachher, ohne Gründe an¬ 
geben zu können, widerrief — überdies die Absicht hatte, 
die Pietag mit einem Bindfaden zu erwürgen, im Falle 
sie Lärm machen würde; daß er ferner außer diesem 
Straßenraub sich eines Raubes schuldig gemacht und da¬ 
bei solche Mißhandlungen an der Beraubten verübt hat, 
daß es zweifelhaft ist, ob ihr Leben nicht durch einen 
bloßen Zufall gerettet worden, — daß er mit dem über¬ 
legten Vorsatze zu morden zu diesem Raube ausgieng und 
sich dazu mit den nöthigen Mord - Instrumenten versah 
daß er endlich wegen begangner Diebstähle und Betrü¬ 
gereien schon mehrmals gestraft worden ist: so erscheint 
der Inquisit als ein höchst gefährlicher Räuber, der da¬ 
durch für die bürgerliche Gesellschaft unschädlich gemacht 
werden muß, daß man auf den höchsten Grad der gesetz¬ 
lichen Strafe, lebenswierige Festungsarbeit erkennt. 
Im Fall des ohne vorgängige Bestrafung wiederhol¬ 
ten Raubes soll die lebenswierige Festungsstrafe durch 
Staupenschlag nach Vorschrift des §. 1203 1. c. geschärft 
werden und es rechtfettigt sich hiernach das Erkenntniß. 
Milderungsgründe lassen sich für den Inquisiten gar 
nicht auffinden. Sein Defensor will ihn blos für den 
verübten Raub bestraft wissen, trägt auf den niedrigsten 
der §. 1189 geordneten Strafe, nehmlich zehnjährige Fe¬ 
stungsstrafe an und glaubt, daß der Inquisit wegen des 
Straßenraubes nur mit einer außerordentlichen Strafe 
des gemeinen Diebstahls bestraft werden könne, da das 
Corpus delicti des Straßenraubes nicht feststehe und wir 
uns von diesem Verbrechen nicht anders als durch das 
bloße Eingeständniß des Inquisiten überzeugen könnten 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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