Full text: Juristische Miscellen besonders das preußische Recht betreffend (St. 2 (1804))

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Schreien zu verhindern, so folgt, wenn man ihre Aussa¬ 
ge, nach geschehener Confrontation und eidlichen Bestärkung 
auch für völlig beweisend annehmen muß, doch nur das 
daraus, daß die Strehlow dies wirklich gesagt, keines¬ 
wegs aber, daß Inquisitin dies wirklich gethan habe. 
Jene Aeußerungen will aber die Strehlow durchaus 
nicht gethan haben, und sie erscheint daher als eine ganz 
unzuverlässige Person, deren Behauptungen keinen Glau¬ 
ben verdienen. Es hat dieserhalb auch nicht einmal auf 
eine vorläufige Freisprechung von dem Verdachte der un¬ 
natürlichen Behandlung des Kindes erkannt werden können. 
11) Maria Christina Strehlow, 20 Jahr alt, aus 
Pasewalk gebürtig, welche mit der vorhergehenden Inqui¬ 
sitin zu gleicher Zeit auf dem Englischen Hause bei dem 
Gastwirth Müller diente, stimmt in allen wesentlichen Punk¬ 
ten ihres Bekenntnisses mit dem der Conrad überein. Sie 
weicht nur darin von letzterer ab, daß sie nur in dem Au¬ 
genblicke, als sie sich ins Bett legen wollte und Blut am 
Hemde der Conrad, mit welcher sie zusammenschlief, be¬ 
merkte, erfahren haben will, daß sie gebohren habe, ob 
sie gleich einräumen muß, gleich nach der Niederkunft der 
Inquisitin in ihrer Stube gewesen zu seyn." Sie verlang¬ 
te wiederholentlich, das Kind zu sehen, erreichte aber bei 
fortgesetzter Weigerung der Conrad ihren Endzweck nicht. 
Sie versprach ihrer Kamradin Stillschweigen zu beobach¬ 
ten und willigte in den Vorschlag, das Kind im Keller zu 
vergraben, grub auch selbst die Oefnung, in welche die 
Mutter das Kind legte. 
Die eben erwähnte Abweichung in dem Bekenntnisse 
dieser Inkulpatin ist von keiner Bedeutung. Es ist gleich¬ 
gültig, ob sie unmittelbar nach der Niederkunft, oder et¬ 
was später erfahren, daß die Conrad gebohren habe. So 
viel bleibt immer gewiß, daß nach der ganz richtigen Aus¬ 
Vonage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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