Full text: Juristische Miscellen besonders das preußische Recht betreffend (St. 2 (1804))

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Wenn dies nicht Leben und Empfindung ist, was soll Le¬ 
ben und Empfindung seyn? Man steckte darauf einen 
Finger verschiedene Mal in den Mund, und die Zähne 
druckten ihn jedesmal merklich. Rach 2 Minuten und 40 
Secunden schloß der Kopf langsam die Augen, erblaßte, 
und zeigte keine Spur des Lebens mehr *). 
In einer andern Schrift, wörin Herr Dr. Wendt 
seine Behauptung noch mehr unterstützt und seine Gegner 
widerlegt, äußert er, daß es in dieser Sache, wie es bis 
jetzt steht, nicht wohl möglich sey, einen wirklich positi¬ 
ven oder nur einen überzeugenden negativen Beweis zu 
geben. Er liefert ferner folgende merkwürdige Geschichte 
aus den Akten des Breslauischen Magistrats vom Jahr 
1799. Einem auf der Straße mit vorgesenktem Haupte 
eilenden Manne fiel ein Bund Heu auf den Nacken. Er 
sank nieder, gab keinen Laut von sich, und hatte das 
Vermögen, seine Glieder zu bewegen, verloren. Man 
richtete den (verschobenen) Kopf ein, und augenblicklich 
sprach der Mann. Beim Tragen ins Hospital verschob 
sich der Kopf wieder, und das Vermögen zu sprechen, war 
auch wieder dahin. Man richtete den Kopf abermahls 
ein, und augenblicklich sprach der Mann auch wieder 
In der Nacht starb er. Bei der Leichenöffnung fand man 
das dritte Halswirbelbein aus seiner Lage gerissen und 
vorwärts gedrängt. — Eine zweite, Hrn. Wendt münd¬ 
lich mitgetheilte Geschichte lehrt, daß eine Erschütterung 
des Hirns ohne eine in mehrern Tage merkliche Störung 
der Verrichtungen desselben Statt finden könne. 
*) Ueber Enthauptung im Allgemeinen und über die Hinrich¬ 
tung Troers insbesondre. Ein Beitrag zur Physiologie und 
Pspchologie von Dr. J. Wendt. Breslau 1803. 
ene 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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