Full text: Juristische Miscellen besonders das preußische Recht betreffend (St. 2 (1804))

10 
vor der Rückzahlung der 100 Thlr. von dem Schiffer 
Gantschow dem Inkulpaten geliehen worden¬ Auch hatte 
Inkulpat vorher angegeben, daß er die 100 Thlr. erspart 
habe. Diese Angabe ist nun deshalb wieder unwahrschein¬ 
lich, weil Inkulpat nach seinem eigenen Geständnisse nach 
dem Verlust des Schiffs Carolina den Kaufmann Schön 
dringend gebeten hat, ihn anderweitig als Schiffer anzu¬ 
stellen und weil er vom Verlust des Schiffs bis zum 
Frühjahr 1800 keine Reise gethan, mithin als Schiffer 
nichts hat verdienen können. 
Nach dieser Ausführung trifft nun den Inkulpaten 
1) die Strafe der unterlassenen Anzeige des vorhaben¬ 
den Verbrechens. Die Bestimmung dieser Strafe 
richtet sich nach dem Grade der Bosheit oder Fahr¬ 
lässigkeit. 
2) Hielt die Crim. Deput. den gegen ihn streitenden 
Verdacht, daß er die Wegsetzung des Schiffs beab¬ 
sichtigt und solche mit dem Schön verabredet habe, 
so dringend, daß sie deshalb auf eine außerordentli¬ 
che Strafe erkennen würde. Diese außerordentliche 
Strafe muß nach dem Quanto des unerlaubten Ge¬ 
winns abgemessen werden, den Inkulpat aus seiner 
Handlung zu ziehen hoffte. Nach der Behauptung 
des Schaffts sollte er 200 Thlr. erhalten. Die ei¬ 
gentliche Strafe bestünde hiernach, vorausgesetzt, daß 
die Wegsetzung wirklich geschehen, in einer Geldstra¬ 
fe von 400 Thlr. oder in einer Gefängnißstrafe von 
8 Wochen bis 1 Jahr und 9 Monate. Da sich nun 
Inkulpat 9 Monate im Arreste befunden hatte, si 
war die Crim. Deput. der Meinung, daß ihm dieser 
Arrest auf beide Vergehungen zur Strafe angerech 
net würde. 
oe 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer