Full text: Bibliothek für die peinliche Rechtswissenschaft und Gesetzkunde (Th. 3 = St. 1 (1804))

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gedrückt werden sollte, ist der Sinn des Ge¬ 
setzes, und diesen Sinn darstellen heißt aus= 
legen, interpretiren. Es scheint mir daher 
unmöglich, dem Richter alle Interpretation 
abzusprechen. Wer ihn blos an den Buchstaben 
verweißt, hebt das Gesetz seinem Wesen nach 
auf, um es dem Scheine nach zu sichern. Die 
Justitz wird zum bloßen Spielwerk des listigen 
Betrügers, wenn nicht der Sinn, sondern der 
Buchstabe des Gesetzes losspricht oder verdammt. 
Aber eben so gewiß ist es auch, daß nichts so 
sehr als der Mißbrauch des richterlichen Jnter |=| 
pretationsrechts eine Gesetzgebung untergraben 
könne und daß dieser Mißbrauch unvermeidlich 
sey, wenn nicht diesem Rechte des Richters be= 
stimmte Gränzen gesezt werden und er für die 
Ueberschreitung derselben verantwortlich ge¬ 
macht wird. Die Auslegung der Gesetze un¬ 
sres gemeinen Rechts; die zahlreichen Beispiele 
von Auslegungen, durch die man wider den 
klarsten Wortverstand in das Gesetz hinein und 
Vonage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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