Full text: Annalen des teutschen Reichs (1794, Jennerh. (1794))

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keiten und Bedrückungen schuld ist, um so mehr stutzig 
machte, als jener Druck immer mehr und mehr zunahm 
und sie aus Erfahrung es sich selbst sagen konnten, 
was sie nach solchen Vorgängen zu erwarten hätten. 
Auch die geprüfteste Geduld fängt endlich an zu ermü= 
den. Um nicht vollends noch alle Ueberbleibsel zu ver¬ 
liehren, wozu der Zuschnitt ganz gemacht zu seyn schien, 
geschahe es, daß der Pfälzische Kirchenrath im 
Märzmonath des vorigen Jahres sich an denjenigen 
großmuͤthigen Regenten wendete, dessen glorreiche Vor¬ 
fahren schon so oft dem der Religion wegen Unterdruͤck¬ 
ten, die schützende Kraft dargebothen hatten. Der 
König von Preußen that auch darauf alles das 
jenige, was ihm vor der Hand zu thun möglich war 
und zeigte zugleich wie gerecht das ehrerbiethige Ver¬ 
trauen sey, das ihm gewidmet worden. Man sahe in 
Berlin sehr deutlich ein, daß ohne Dazwischenkunft 
des Kaisers, als obersten Richters und Schutzherrn der 
in Teutschland gleiche Rechte, gleichen Schutz und 
gleiche wesentliche Konsistenz habenden Religionen 
schlechterdings für die Unterdrückten keine sichere Ret¬ 
tung seyn, und das schon so lang gedauerte Uebel 
das doch einmal billig radicaliter gehoben werden sollte, 
immer krebsartiger werden würde. Man fühlte, wie 
traurig es sey, daß in der Pfalz diejenigen getreuen 
Unterthanen, deren Religions= und bürgerliche Ver¬ 
hältnisse, durch den Westphälischen Frieden, durch 
so viele folgende Vertrage, durch Verheißungen, wel¬ 
che mit dem Kurfuͤrstlichen Ehrenworte bekraͤftiget wor¬ 
den, versichert waren, für Aufwiegler, für Störer 
der öffentlichen Ruhe, für Empörer, für Bösewichter 
deren Nahmen aus jedem Buche des Lebens ausgestri¬ 
chen zu werden verdienten, verschrieen und auch als 
solche angesehen wurden, so bald sie endlich einmal auf 
jene 
O. 
Staatsbibliothel 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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