Full text: Annalen des teutschen Reichs (H. 1 (1793))

gar veraͤnderte Umstaͤnde hatte Ursache zu dieser, im 
Ausdrucke zu strengen, in einer eigenen kraftvollen Spra= 
che vorgetragenen Aeußerung gegeben. Kenner der 
Geschichte unseres teutschen Vaterlandes und der ge= 
genwärtigen Verfassung vesselben wissen längst, wel= 
che Ursachen eine solche totale Ummodelung nach sich ge¬ 
zogen haben. In dem Laufe der Zeiten und dem ganz 
veraͤnderten Sistem ist der langsamere, vielleicht auch- 
wenn man will - schwerfaͤlligere Gang der Reichstags¬ 
geschäfte, zu suchen. Mag auch immerhin, auch noc 
zu unsern Zeiten, die alte Klage und im aͤchten Schul¬ 
meisterton vorgebrachte Ermahnung des Erzbischofs 
Berthold von Mainz in gewissen Epochen statt 
finden können 1); mag immerhin auch noch in spaͤtern 
Tagen, bey einer vollen Unthätigkeit des Reichstages 
dasjenige demselben zugerufen werden köͤnnen, was wei= 
land Kaiser Friedrich dem Dritten zugeschrieen 
wurde: surge quid dormis! so laͤßt sich dennoch ein¬ 
mal im Wesentlichen nichts füglich ändern. Unsere teut= 
sche Staatsverfassung - diese so sehr komplicirte Ma¬ 
schine, deren richtige Benennung schon die Stirne so 
manchen Staatslehrers krauß gemacht hat — ist nun 
einmal so, und sie muß, in allen ihr Wesen ausma¬ 
chenden Bestandtheilen so bleiben. Sie ist im gan= 
zen genommen wirklich die Beste, wenn nur immer dem 
Kaiser gelassen wird, was des Kaisers ist; wenn die 
Stande des Reichs das Verhaͤltniß, worinn sie mit ih¬ 
rem Oberhaupte stehen, und Seine Wuͤrde nicht verken¬ 
nen und nie die billige Achtung vergessen, die sie Seinen 
Wün= 
1) Berthold, ein gebohrner Graf von Henneberg, ein sehr ed¬ 
ler Mann und aufrichtiger Patriot, der zur endlichen Anord¬ 
nung des Kammergerichts so vieles beygetragen, sagte den 
Ständen des Reichs auf dem Reichstage zu Worms 1498. 
Liebe Herren, es ist wenig Flyß unter euch. 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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