Full text: Kritische Betrachtungen über verschiedene Staatsfragen (Th. 1 (1770))

Von der Religions=Gleichheit 
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seyn, weilen keine durchgängig allgemeine und gleiche 
Rechte einem Stand wie dem andern zukommen, 
weilen oft andere Vorzüge die Churfürsten, andere 
Gerechtsame die Fürsten, andere die andere Stände 
haben. Und gleichwie diese Gleichheit unmöglich we= 
gen verschiedenen Gerechtsamen der Ständen allge= 
mein bestehen kann, so ist sie bey zweyen Religions= 
Theilen oft unerträglich, welche andere Principien und 
Grundsätze haben, und kann unmöglich von dem nem= 
lichen Maaßstab abgemessen werden. Es muß also 
jederzeit bey jedem Theile auf die Lehrsätze der Reli= 
gion sorgfältig geschauet werden, daß jeder nach sei= 
nen Principien behandelt werde, daß die Gewissens= 
Freyheit, die so hoch und theuer im Religions= und 
westphälischen Frieden anbefohlen, nicht gekränkt 
werde; in allen übrigen aber soll so viel durch Ver= 
gleich, Constitutionen, Form der Republick möglich, 
eine genaue durchgehende Gleichheit beobachtet 
werden. 
So natürlich diese Auslegung des Gesetzes, und 
so gemäß dieselbe dem Verstand der höchsten Pacis= 
centen seyn mag, so streng und gespannt, so schad¬ 
lich und übertrieben redet man davon. Die Reichs= 
Dicasterien, die Cammergerichts=Visitation, die 
Reichs=Versammlung selbst wird davon wissen. Man 
wil 
Max-Planck-Institut für
	        
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