Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1840, Bd. 3 (1840))

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Notizenblatt. 
digung über die dort aufgestellten Begriffe das Verständniß des Gan¬ 
zen erleichtert, und dem Leser die Mühe erspart hätte, das aus dem zer¬ 
streut im Contexte und in den Noten Angedeuteten nicht ohne Schwierigkeit 
herauszusuchen, was er am Ende so klar und lichtvoll zusammenge¬ 
stellt findet. 
Was den eigentlichen Inhalt des ganzen Werkchens betrifft, so läßt 
sich behaupten, daß Alles reiflich durchdacht und erwogen, jede Ansicht 
scharfsinnig begründet, und der ganze Gegenstand vollkommen erschöpft 
ist. Nichts weniger also, als ein Verkennen dieser gewiß seltenen Vorzüge 
eines Werkes kann es seyn, wenn ich bey der Anzeige die eine oder andere 
Meinung des Herrn Verf. einer genauern Prüfung unterziehe und die 
Gründe anführe, die mich bestimmten, eine von ihm verschiedene Ansicht 
zu gewinnen. 
S. 3 definirt der Hr. Verf. den unmittelbaren Thäter vals den¬ 
jenigen, der insbesondere jene Handlung, die nach dem Gesetze ein gewisses 
Verbrechen objectiv zunächst ausmacht, selbst (durch eigene That) auszu¬ 
führen unternommen hat, in so weit hierdurch das Verbrechen, wenigstens 
im Versuche schon erzeugt ist, ohne Rücksicht, ob er das Verbrechen aus 
eigenem, oder fremden Antrieb unternommen hat?. S. 4. erklärt Er den A. 
der verabredeter Maßen das Haus bewacht, damit B. und C. den D. er¬ 
morden können, ebenfalls für einen unmittelbaren Thäter. Ref. glaubt. 
daß die Handlungsweise des A. (das Wache halten) keine Handlung sey, 
die nach dem Gesetze objectiv zunächst das Verbrechen des Mordes aus¬ 
mache, weil sie sich nicht unter den §. 117 des Strafgesetzes subsumiren 
läßt, daß demnach auch der A. nicht unmittelbarer Thäter des Mordes 
seyn könne. Eine andere Frage ist die, ob er in Folge des complottmäßig 
beschlossenen Mordes moralischer Miturheber sey, was allerdings 
zu bejahen wäre. 
S. 6 untersucht der Hr. Berf. die Frage, ob der, das Verbrechen Be¬ 
fehlende, wenn er vor der Verübung desselben den Befehl widerruft, der 
andere aber das Verbrechen dennoch begeht, strafbar sey oder nicht, und 
verneint die Frage; zugleich gelte dieses für das Anrathen, Unterricht 
Lob 2c.— Ref. theilt diese Ansicht nicht, denn in diesem Falle stellt sich noch 
immer in der Absicht und in dem Verhalten des Befehlenden, Unterrich¬ 
tenden 2c. die mittelbare Ursache des begangenen Verbrechens dar, die ihn 
zum moralischen Urheber macht (§. 40 der Abhandlung). Denn nach der 
Voraussetzung wirken die Gründe, die vor dem Widerrufe in dem unmit¬ 
telbaren Thäter wirksam waren, auch noch nach demselben fort, stellen 
sich daher noch immer als mittelbarer Grund des Verbrechens dar, zu 
dem sie den Thäter bestimmten. Causa causae est etiam causa causati. 
Max-Planck-Institut für
	        
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