Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1840, Bd. 3 (1840))

d'Elvert: über d. Institut d. Freysassen in Mähren u. Schlesien. 
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nicht zum Landrechte, sondern vor das Burgrecht gehören sollen, wo die 
Besitzer einem Jeden zu antworten schuldig seyn werden. 
Nach den Landtagsschlüssen von 1650 und der weiteren Jahre wur¬ 
den die Privilegien der Freyhöfe und Freyhäuser im Lande bey dem k. 
Amte der Landeshauptmannschaft eingebracht, welches eine Consignation 
der mit der k. Landtafel versicherten den Landschaftsdeputirten und der 
Landtafel (zur Aufbewahrung) am 5. Februar 1657 mittheilte (es waren 
23 Freysassen=Höfe und Häuser). 
Zu den Freyhöfen gehören auch die sogenannten Puhonczen¬ 
Gründe. 
Diese Puhonezen waren ehemals Boten des Landrechtes, welche im 
Olmützer Kreise die gegen shöhere Standespersonen vorgebrachten Klagen 
(Puhon) denselben zustellten und die gerichtlichen Ladungen vornahmen; 
sie genoßen hiefür (nebst der bestimmten Gebühr) von den Ständen er¬ 
kaufte Freygründe, oder sie hatten, wie die alten Landesordnungen von 
1343 und 1604 sagen, hiefür ihre Erbgüter. Jm Brünner Kreise 
(damals dem andern Theile des Landes) geschahen die Ladungen durch 
aufgenommene Sendboten. 
Ihre Bestimmung verloren sie durch die mit Erscheinen der neuen 
Landesordnung von 1628 an ihre Stelle getretenen Kämmerlinge. 
Die Rebellion und der dreyßigjährige Krieg hatten auch auf das 
Freysasseninstitut einen nachtheiligen Einfluß. 
Viele Freysassengüter verloren ihre Besitzer durch Auswanderung, 
Verarmung, Verwüstung, und wurden von den Obrigkeiten mit oder 
ohne Titel eingezogen, eingekauft und vertauscht. 
Der k. mährische Kammerprokurator Paul Ferdinand Irmler ließ sich 
angelegen seyn, dem weiteren Verfalle des Institutes vorzubeugen. Er 
bath Seine Majestät (1704), den altherkömmlichen Schutz des k. Fiskus 
über die Freysassen und Freybauern zu erhalten, die wider Recht und 
Verfassung geschehenen Eingriffe wieder gut zu machen und das im Ver= 
laufe der Zeit erhöhte landesfürstliche Interesse an diesem Institute wahr¬ 
zunehmen. Denn 1) seyen diese Freysassen und Freybauern zu der allge¬ 
meinen Contributions=Last von ihren Lahnen und Freysitzen, auch zur 
Zahlung der Rauchfang= und Kopfsteuer vermöge den Landtagsschlüssen 
zugezogen worden; 2) seyen durch die Unbilden der Zeit, die Rebellion 
und den dreyßigjährigen Krieg von diesen Freysassen und Freybauern 
viele verdorben, aus dem Lande gekommen, ihre freyen Güter verwüstet, 
theils zu Herrschafts= und obrigkeitlichen Vorwerken, mit und ohne Titel 
gezögen, die Erben schlecht abgefertigt worden und hiemit habe zugleich 
das öffentliche Interesse aufgehört; 3) da in Mähren das Dominium nicht 
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Max-Planck-Institut für
	        
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