Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1829, Bd. 1 (1829))

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Hauptblatt. 
In der ersten Periode wuchs die Christenzahletwa um die Hälf¬ 
te, die Judenzahl um ein Drittel; in der zweyten Periode 
wuchs die Christenzahl etwa um ein Zehntel, die Judenzahl 
um den vierzehnten Theil; in der dritten Periode wuchs 
die Christenzahl etwa um den siebenten, die Judenzahl fast 
um den sechsten Theil. 
Die frühen Heirathen, die unter den Juden häufig vorkom¬ 
mende Untauglichkeit zum Militärdienste, verbunden mit ihrer 
äußersten, in der Masse an's Darben gränzenden Genügsamkeit 
rücksichtlich der Lebensbedürfnisse erklären es, wie sie mit dem 
Fortschreiten der christlichen Einwohnerzahl gleichen Schritt hal¬ 
ten, ja dasselbe in einzelnen Jahren sogar überflügeln können. 
Von der Gesammtvermehrung beträgt der jüdi¬ 
4.) 
sche Zuwachs 
in der 1. Periode den 24. Theil, oder etwas mehr als 4 pCt. 
beynahe 6 „ 
„ 18. 
„ „ 2. 
„ 
„ 3. 
„ 15. 
5.) Vergleicht man endlich die gesammte Volkszahl 
mit der Judenzahl, so zeigt sich, daß die letztere fast den sie¬ 
benzehnten Theil der ersteren beträgt, das heißt: die Ju¬ 
den machen in Galizien mehr als fünf, beynahe 
sechs Procente aller Einwohner aus. Es vertheilen 
sich also daselbst, auf einem Raume von 1548,03 geogr. Quadrat¬ 
meilen 2831 Einwohner *), worunter fast 154 Juden, auf eine 
Quadratmeile *). 
Postcarte der öster. Monarchie herausgeg. v. k. k. Gen. Quart. 
M. Stabe, 2. Aufl. 1827 
Dagegen rechnet Liechtenstern in Ungarn, wo sich ihre An¬ 
zahl stets vermehrt hat, 128,400 Juden (a. 1818); also von al= 
len damahligen Bewohnern, d. i. von 8,063,680, beyläufig den 
zwey und sechzigsten Theil 
In Böhmen beträgt ihre Anzahl etwa 62,000, mithin etwa 
den sechzigsten Theil der Gesammtzahl von 3,582,098 2). 
In Mähren gibt Liechtenstern unter 1,749,486 Seelen bey 
30,000 Juden an, was ungefähr den acht und fünfzigsten 
Theil ausmacht 3). 
jene öster. Provinzen, worin 
Diese sind — nächst Galizien — 
sich die Judenschaft verhältnißmäßig am meisten ausgebreitet hat. 
— Im ganzen Kaiserthume pflegt man ihre Anzahl auf 
eine halbe Million zu schätzen *); mithin kömmt auf etwas mehr 
als fünfzig Einwohner der Monarchie ungefähr Ein 
Jude. 
Des Freyherrn v Liechtenstern „Vollständiger Umriß der Statistik des 
„öster. Kaiserthums“, Brünn 1820, S. 170 und 191. 
2) Schnahel's „Statistische Darstellung von Böhmen“, Prag, 1826 
S. 16. 
Obiges Werk von Liechtenstern, ebendaselbst. 
1). Christ. Stein's Handbuch der Geographie und Statistik, Leipzig, 
1825, 2. Band, S. 39. — Liechtenstern schätzt ihre Zahl, im oben 
angeführten Werke, S. 191, auf 487,000; schon im Jahre 1787 
waren ihrer 368,552. 
Max-Planck-Institut für
	        
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