Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1844, Bd. 1 (1844))

Damianitsch: üb. die Competenz der Civil= und Militär=Strafgerichte. 389 
Es ist daher Aufgabe der Obduction, zu ergründen, ob ein Verbrechen 
vorhanden sei oder nicht, und im ersten Falle, welches Verbrechen, 
wenigstens nach den objectiven Merkmalen, vorliege, es muß die Ob¬ 
duction jene Umstände ausmitteln, welche zum Wesen 
des Verbrechens gehören, d. i. den Thatbestand des Verbre¬ 
chens erheben. 
Soll z. B. Jemanden der Tod eines Menschen als Mord impu= 
tirt werden, so muß durch die Obduction dargethan sein, daß objectiv 
die Merkmale des Mordes vorhanden sind, d. i. daß der Tod aus der 
Handlung, wodurch der Mensch ums Leben gekommen ist, nothwendig 
erfolgte. Dieses kann aber in der Regel *) auch nur die Obduction 
nachweisen, nur durch sie allein kann also in der Regel der objective 
Thatbestand des Mordes erhoben werden. 
Daß die Obduction zur Erhebung des Thatbestandes gehöre, er= 
gibt sich auch aus dem Strafgesetze selbst. Der §. 238 l. Th. erklärt 
den Augenschein als Mittel, den Thatbestand zu erheben; unter die 
Arten der Erhebung des Thatbestandes ist der §. 242 eingereiht, wel¬ 
cher die Gegenstände der Erhebung bei körperlichen Verletzungen näher 
bezeichnet, und verordnet, daß der Getödtete genau besichtigt, und 
angegeben werden solle, ob die Wunde tödtlich sei, oder nicht, ob der 
Tod nothwendig aus der That, oder nur aus Nebenursachen erfolgt 
sei; nach diesem §. gehört also die Secion zu den Mitteln, den That= 
bestand zu erheben, und das Ergebniß derselben ist der Thatbestand 
selbst. 
Die angegebenen Einwürfe sind auch von keiner Haltbarkeit, denn 
a) das Hofdecret vom Jahre 1808 wollte nur die Zuständigkeit 
1) Es können wohl Zeugen aussagen, A. hat den B. getödtet, oder B, ist in 
Folge der von A. beigebrachten körperlichen Verletzungen gestorben. Allein ob 
die That des A. als Mord, Todtschlag oder als schwere Verwundung ange¬ 
sehen werden soll, dies können Zeugen in der Regel nicht bestimmen, und läßt 
sich auch aus deren Aussage nicht folgern. Eine Ausnahme ist aber z. B. 
vorhanden, wenn die Zeugen angeben, A. habe dem lebenden B. mit einer 
Hacke den Kopf weggeschlagen. Hier werden die Aussagen der Zeugen genü¬ 
gen, den Thatbestand über das Verbrechen herzustellen, und es ist eine Se¬ 
cion des Leichnams nicht nöthig. 
Max-Planck-Institut für
	        
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