Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1845, Bd. 1 (1845))

Hauptblatt. 
genstehen *). Bemerkenswerth scheint uns vorzüglich der Umstand, 
daß selbst von den eifrigsten Vertheidigern des Cumulationsprincipes 
für die Anwendung desselben so viele Ausnahmen zugestanden werden 
daß es fast nicht mehr als Regel, sondern vielmehr als Ausnahme einer 
anderen Regel für die Bestrafung concurrirender Verbrechen angesehen 
werden kann, indem dessen Wirksamkeit von der Mehrzahl seiner 
Anhänger nur in Einem Falle der Concurrenz, nämlich nur für den 
Fall zugestanden wird, wenn durch verschiedene Handlungen verschie= 
dene Strafgesetze übertreten worden sind (mehrthätlicher und mehrar= 
tiger Zusammenfluß) 2). Die fühlbare Härte, welche die Anwen¬ 
dung der Regel der Strafhäufung auf die Bestrafung der einthätli= 
chen, und der mehrthätlichen einartigen Concurrenz der Verbrechen 
äußert, ist die Ursache, welche Beschränkungen dieser Regel nothwen¬ 
dig macht. Zugleich liegt darin die Veranlassung, daß man, um dem 
Principe treu bleiben zu können, und dennoch für die mindere Straf= 
barkeit mehrerer gleichartiger Verbrechen einen Ausweg zu finden 
den Begriff des fortgesetzten Verbrechens weit über dessen natürliche 
Gränzen ausdehnte 3); oder, daß man die ganze Untersuchung über 
den Begriff des fortgesetzten Verbrechens, als eine überflüssige, aus 
dem Grunde beseitigen zu können glaubte, indem man behauptete: 
daß alle gleiche (einartige) Vergehensthaten, ohne Unterschied ihrer 
mehrthätlichen oder einthätlichen Begehung, rücksichtlich ihrer Abur= 
theilung und Bestrafung nur als ein Verbrechen anzusehen seien *) 
Für die Anwendung der Regel der Strafhäufung wird zugestanden 
daß sie nicht als ein bloßes Addiren der einzelnen Strafen, sondern 
vielmehr als ein Abwägen der Strafe aufgefaßt werden müsse 
und wie Bauer (a. o. O. S. 43) sagt, nur darin bestehen könne: 
1) S. Krug: Ueber die Concurrenz der Verbrechen und insbesondere über 
den Begriff des fortgesetzten Verbrechens nach gemeinem und sächsischem 
Rechte (Leipzig 1842), §. 3; Trefurt, Arch. d. C. R. J. 1838, S. 
418; Mittermaier, die Strafgesetzgebung in ihrer Fortbildung, 11. 
Beitrag, S. 182. 
2) Sander a. a O. S. 369 und 383; die Motive zum braunschweig St. 
G. B., §. 55 und dic §§. 119 u. 120 d. preuß. Entw. 
3) Bauer a. o. O. S. 28. 
4) Sander a. o. O. S. 383. 
Max-Planck-Institut für
	        
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