Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1845, Bd. 1 (1845))

338 
Hauptblatt. 
wurde die Befreiung der Sensen=, Sichel= und Strohmesserschmiede, 
der Seesalzerzeuger in Jstrien, der bei der Fabrication der Einlösungs= 
scheine und Banknoten verwendeten Jndividuen, der Pulver= und 
Salpetererzeuger, der Arbeiter in Gewehrfabriken und der Bergar= 
beiter wiederholt abgestellt. Das folgende Jahr *) wurde die den 
herrschaftlichen Beamten zugestandene Befreiung auf jene beschränkt, 
welche die Stelle der Staatsbeamten vertreten, also auf den politi¬ 
schen Geschäftsleiter, Justiziär und Steuereinnehmer. Endlich wurde 
auch2) die bis dorthin noch bestandene Befreiung der Gewerbsinhaber 
für die Zukunft abgestellt. 
Ueberblicken wir die hier gegebene geschichtliche Skizze, so gewin¬ 
nen wir die vollkommene Ueberzeugung, daß die Staatsverwaltung 
gegenwärtig eine viel breitere Grundlage für die Recrutenaushebung 
hat, als sie im Jahre 1804 bestand; nicht nur der Zahl nach, son= 
dern auch durch die Beiziehung eines höheren Elementes wurde ein 
großer Gewinn gemacht. Jetzt erst nach Gewinnung dieses Stand= 
punctes war es Zeit, an eine Abkürzung der Capitulationsdauer zu 
denken, erst jetzt war es möglich, einen schnelleren Wechsel im Mili¬ 
tärdienste einzuführen, ohne besorgen zu müssen, für die Entlassenen 
keinen entsprechenden Ersatz zu erhalten. Zugleich wird die Verzöge¬ 
rung der Herabsetzung der Capitulationszeit sehr begreiflich, wenn man 
denkt, wie viel einer solchen Maßregel vorgearbeitet werden mußte, 
und wie die Umdüsterung des politischen Horizontes in den Jahren 
1830 und 1840 den Gang dieser Vorarbeiten aufhielt. Diese Vorbe¬ 
reitung erscheint uns so folgerichtig, so immer nur auf ein Ziel ge¬ 
richtet, daß wir nicht zweifeln, die durch das Patent vom 14. Fe¬ 
bruar 1845 in's Leben getretene Maßregel sei eine Frucht, deren 
Keim schon vor Jahren gesäet, deren Reife durch Jahre vorberei= 
tet wurde. Unverkennbar aber wurde durch die Abkürzung der Ca¬ 
pitulation auf acht Jahre in das ganze bisherige System der Mi= 
litärergänzung ein nicht nach allen Beziehungen hin verträgliches 
Element gelegt, manche für die vierzehnjährige Capitulation be= 
rechnete Verfügung dürfte zu der jetzigen Dauer nicht mehr passen. 
Wäre es auch gesetzlich nicht angedeutet3), 
daß der gegenwär= 
tige Zustand nur eine Durchgangsperiode sei, so würde uns der eben 
erwähnte Umstand allein schon zu der Annahme berechtigen, daß mit 
der Herabsetzung der Capitulationszeit eher der Grundstein für ein 
neues Gebäude gelegt, als dem alten der Schlußstein gesetzt wurde*). 
2) A. h. Entschließung vom 
*) Hofkanzleidecret vom 26. März 1829. 
29. April, Hofkanzleidecret vom 14. Mai 1835.— 3) Hofkanzleidecret vom 
7. August 1827 und a. h. Entschließung vom 29. April, Hofkanzleidecret vom 
14. Mai 1835. — *) Vielleicht ist es uns gestattet, nachträglich auf einige 
Bestimmungen, deren Aenderung durch das Patent vom 14. Februar 1845 
nothwendig geworden ist, in diesen Blättern näher hinzudeuten. 
Max-Planck-Institut für
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer